Zentralbanken
Ökonomen fürchten geldpolitisches Gegeneinander

Die Europäische Zentralbank sollte nach Meinung der meisten Experten nicht auf direkten Gegenkurs zu einer immer expansiveren Politik der US-Notenbank gehen. Das könnte die fragile Konjunkturerholung im Euro-Raum gefährden. Volkswirte warnen die EZB davor, frühere Fehler zu wiederholen.
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FRANKFURT. Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte sich nicht gegen die Federal Reserve stellen und ihre Geldpolitik straffen. Das meinen führende europäische Ökonomen, die in dem vom Handelsblatt 2002 ins Leben gerufenen EZB-Schattenrat die Politik der EZB beobachten.

"Es wäre gefährlich, wenn die EZB sich in die entgegengesetzte Richtung zu anderen großen Notenbanken bewegte", warnte etwa José Alzola, der für das Beratungsunternehmen des früheren Vize-Chefs der US-Notenbank, Alan Blinder, die EZB-Politik beobachtet. Das würde nach seiner Einschätzung den Euro weiter nach oben treiben und die fragile Erholung der Konjunktur im Euro-Raum gefährden.

Im Gegensatz dazu hatte sich Bundesbankpräsident Axel Weber dafür ausgesprochen, dass die EZB ihr Programm zum Ankauf von Staatsanleihen endgültig schließen solle. Außerdem plädiert der Bundesbanker dafür, dass die Kreditinstitute ab Anfang 2011 im Euro-Raum nicht mehr so leicht und so günstig an Kredite von der EZB kommen.

"Die Debatte um eine Straffung der Geldpolitik in Europa erinnert mich fatal an 2001 und 2008", sagt Jacques Cailloux, Europa-Chefvolkswirt der Royal Bank of Scotland. Damals hatte die EZB ihre Geldpolitik noch restriktiver gestaltet, während die Federal Reserve in Reaktion auf den Konjunktureinbruch bereits drastische Lockerungsschritte eingeleitet hatte. Die EZB musste ihre Politik jeweils kurze Zeit später revidieren. Dem hält Marco Annunziata, Chefvolkswirt der Unicredit, allerdings entgegen, dass es heute anders als damals keinen synchronen globalen Abschwung gebe, sondern die Konjunktur in den verschiedenen Weltregionen sich unterschiedlich entwickle.

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  • Für den Fall eines Kolbenfressers wäre ein neu entwickelter Motor fällig. Er ist schon in Arbeit. Herr H. Köhler ist einer der Mitkonstrukteure.Alles hängt ab vom Verlauf und Ausgang des Rennens.Überanstrengungen sind riskant auch die bremsen müssen bestens funktionieren.Und wichtig der Fahrer ,der im Wagen sitzt und durch Nervenstärke und Übersicht das Rennen entscheidet.

  • Schade, man kann nicht mal ausführlich etwas posten, da begriffe wie "Transferunion" oder ähnliche auf einer beobachtungsliste stehen müssten. Danke liebes Hb.

  • Weber und Annunziata haben recht! 2001 und 2008 sind nicht 2010.bernanke hat gute Chancen, den Motor zu überdrehen und einen Kolbenfresser zu riskieren. Wäre der Motor nagelneu, ginge es vielleicht,aber das ist er schon lange nicht mehr.

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