Zentrale Gedenkfeier zum 60. Jahrestag der Landung alliierter Streitkräfte in der Normandie
Freie Welt würdigt Opfer der Invasion

Weiß leuchten die 9 386 Kreuze auf dem US-Soldatenfriedhof in Colleville. Ein langer roter Teppich verbindet das Denkmal der Grabanlage mit dem Landeplatz. Vom blauen wolkenlosen Normandie-Himmel schweben im Hubschrauber Jacques Chirac und George W. Bush auf den Friedhof ein. Beide Männer schreiten Seite an Seite das Spalier der Paradesoldaten ab, die Fahnen der USA und Frankreichs halten.

CAEN. „Frankreich wird niemals diesen 6. Juni 1944 vergessen, mit dem die Hoffnung zurück kehrte“, ruft Frankreichs Präsident seinem Ehrengast und den anwesenden Veteranen der Landung in der Normandie zu. US-Präsident Bush entgegnet in seiner Rede mit einem Bibelzitat: „Es gibt keine größere Liebe als die von jenem, der für seinen Freund stirbt. Amerika würde es wieder tun.“

Die Bilder und Gesten von den Gedenkfeiern zum 60. Jahrestag der Landung der alliierten Truppen in der Normandie sollen eine Botschaft in die Welt tragen: An der 200 Jahre alten Freundschaft zwischen Frankreich und den USA gibt es nichts zu zweifeln – trotz aktueller Zwistigkeiten.

Doch die bunten Bilder vom D-Day können nicht übertünchen, dass es zwischen Chirac und Bush nach wie vor Uneinigkeiten gibt, vor allem in der Irak-Frage. Frankreich drängt darauf, dass die irakische Übergangsregierung nach der offiziellen Machtübergabe am 30.6. wirklich souverän ist, und damit Mitsprache beim Einsatz der multinationalen Truppen unter US-Kommando bekommt.

Mittendrin in dieser heiklen Mischung aus politischem Zwist und den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag des D-Day steht Bundeskanzler Gerhard Schröder. Er nimmt in doppelter Hinsicht eine Sonderrolle ein. Denn zum ersten Mal darf mit Schröder ein deutscher Kanzler gemeinsam mit 16 anderen Staats- und Regierungschefs an diesen Feierlichkeiten zur Befreiung Europas teilnehmen.

Gleichzeitig steht er politisch zwischen den Streithähnen Chirac und Bush. Zwar lehnt Schröder wie der französische Präsident den Irak-Feldzug von Bush nach wie vor ab. Nach dieser erstmaligen Distanzierung vom großen Partner USA ist Schröder jetzt jedoch stärker als Frankreich darum bemüht, Bush aus seiner Isolation zu befreien. In einem Interview mit dem „Figaro“ bekräftigte Schröder, dass er auf keinen Fall zwischen den Partnern USA und Frankreich wählen will. „Beide sind für uns von gleich großer Bedeutung.“

Bei den Feierlichkeiten selbst spielte das Streitthema Irak keine Rolle – auch Bush unterließ es, erneut einen Bezug zwischen der Landung der Alliierten in der Normandie und dem Einsatz der US-Truppen im Irak herzustellen. Chirac verwies indes auf die gemeinsamen Werte von Frankreich und den USA, die in der Uno-Charta niedergelegt sind – wohl wissend, dass der Irak-Einmarsch nie vom Uno-Sicherheitsrat explizit legitimiert worden ist.

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