Zentrumspartei UDF
François Bayrou: Der dritte Mann

Im französischen Wahlkampf punktet François Bayrou mit seiner Bodenständigkeit und klaren Worten. Die Konkurrenten reagieren aufgeschreckt auf den Überraschungskandidat im Rennen um das Präsidentenamt – und blasen zur Attacke.

PARIS. Kristallklare Bächlein schlängeln sich durch die liebliche Landschaft, vorbei an Dörfern, in denen es nach Pferdeäpfeln riecht. Alle Menschen sind freundlich zueinander, die Kinder werden streng und gut erzogen. Jedes Dorf hat sein Postamt, seinen Bäcker, seinen Jahrmarkt. Und natürlich gibt es jedes Jahr einen richtig schönen Sommer.

Willkommen in Bayrou-Land, so wie die Franzosen es sich vorstellen. 20 Männer und Frauen aller politischen Glaubensrichtungen malten im Auftrag des Forschungsinstituts Observatoire du Débat Public auf, welches Traumland sie mit François Bayrou verbinden. Der Präsidentschaftskandidat selbst ist in diesem imaginären Paradies auch zu sehen: In Gummistiefeln und mit Hosenträgern sitzt er auf einem Trecker.

Im wirklichen Leben präsentiert sich der Kandidat zeitgemäßer. Heute ist alles an ihm taubenblaue Harmonie: der Anzug, das Hemd, die Krawatte und zufällig auch die vor ihm stehende Mineralwasserflasche im Café de la Grande Bourse.

Draußen ragt das gewaltige Gemäuer der römischen Stierkampfarena in den Frühlingshimmel über der südfranzösischen Stadt Nimes. Drinnen sorgt François Bayrou für Lokalkolorit. Erst bedient er die Winzer der Region. „Ich schätze die Frucht Ihrer Arbeit“, sagt er, und sein Teint bestätigt diese Aussage. Dann umschmeichelt er die örtliche Jurisprudenz. „Die kleinen Gerichte müssen erhalten bleiben. Wir brauchen keine riesigen Justizmaschinen in den Großstädten.“ Die Gäste im Café de la Grande Bourse applaudieren.

François Bayrou, Chef der Zentrumspartei Union pour la Démocratie Francaise (UDF), ist die große Überraschung des französischen Präsidentschaftswahlkampfs. Noch zu Jahresbeginn galt der 55-Jährige als politischer Außenseiter. Doch mittlerweile trauen ihm viele Franzosen zu, dass er am 6. Mai zum Nachfolger von Jacques Chirac gewählt wird.

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