Zerstörte Infrastruktur
Russlands Krieg würgt die Wirtschaft ab

Russland verbreitet Angst und Schrecken: Panzer haben die wichtigsten Knotenpunkte Georgiens besetzt und die Infrastruktur des Landes zerstört. Auch rein kommerzielle Strukturen sowie Fabriken ausländischer Investoren sind betroffen. Warum Georgien der größten Herausforderung seit seiner Unabhängigkeit im Jahre 1991 ausgesetzt ist.

TIFLIS. Der Radlader ist völlig zerstört, die gesamte Halle ein Trümmerfeld. Die Bombe schlug ein durch das Dach über dem schweren Gerät und zerriss auch Teile der Millionen Euro teuren Filteranlage, die Heidelberg Cement in seinem Werk in der georgischen Industriestadt Kaspi einbauen wollte. Zehn russische Panzer hielten den einst 20 000 Einwohner zählenden Ort auch gestern besetzt, die meisten Einwohner sind geflohen. „Wir können die Zementfabrik nicht wieder anfahren, weil alle Arbeiter weg sind“, sagt Generaldirektor Lewan Baramadse. „Die Russen verbreiten Panik allein mit ihrer Anwesenheit.“

Heidelberg Cement ist mit drei Baustofffabriken der größte deutsche Investor – und ein Fallbeispiel dafür, wie der Krieg die Wirtschaft des Landes dauerhaft schädigt. Vor allem die Infrastruktur ist angeschlagen, und nach wie vor befinden sich wichtige Knotenpunkte in der Hand des Feindes. Die Russen haben ihre Panzer von der strategisch wichtigen Schnellstraße M1, die vom Schwarzmeerhafen Poti über Tiflis führt und die wichtigste Transitmagistrale weiter nach Armenien und Aserbaidschan ist, nach Berichten von Augenzeugen noch immer nicht geräumt. Die parallel verlaufende Eisenbahntrasse wurde durch die Zerstörung einer Brücke zwischen Gori und Kaspi unpassierbar. Nach Gutdünken kontrolliert Moskau den Verkehr in einem der wichtigsten Transitländer der Region.

Das Weinland Georgien, dem Russland schon 2006 mit dem Boykott aller georgischen Waren den Hauptabsatzmarkt versperrt hat, steht vor der größten Herausforderung seit seiner Unabhängigkeit 1991. Präsident Michail Saakaschwili spricht bereits von einer „Wirtschaftsblockade durch Russland“.

So ist der wichtige Hafen von Poti nach Angaben von Alan Middleton, dem Hafendirektor, stark zerstört. „Der Hafen ist kein Militärobjekt, sondern eine rein kommerzielle Struktur. Deshalb werden wir Russland wegen der Angriffe auf den Hafen verklagen“, sagte er nach den Bombardements, die am ersten Tag des Krieges stattfanden. Georgiens Regierung hatte erst im April 51 Prozent des Poti-Hafens an die Investmentagentur des VAE-Emirats Ras Al Khaimah verkauft.

Auch hat BP die Befüllung der 1 768 Kilometer langen Ölpipeline Baku-Tiflis-Ceyhan (BTC) gestoppt, nachdem russische Kampfjets Bomben in der Nähe der Leitung abgeworfen, sie aber verfehlt hatten. Auch die parallel verlaufende Gaspipeline und eine andere Transitölleitung nach Supsa liegen still. Allein der Ausfall der BTC, die unter normalen Umständen täglich eine Mill. Barrel Öl transportiert, kostet Georgien viele Millionen.

Seite 1:

Russlands Krieg würgt die Wirtschaft ab

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%