ZEW-Studie
Unternehmenssteuern in Deutschland Spitze

Die Unternehmenssteuern in Deutschland sind einer Studie zufolge die höchsten in Europa. Mit einem durchschnittlichen effektiven Steuersatz von 36,1 % hätten Kapitalgesellschaften in Deutschland die höchste Steuerlast zu tragen, hieß es in der am Montag veröffentlichten Studie des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

HB BERLIN. Am niedrigsten liege der Durchschnittssatz mit 12,8 % in Litauen, ergab der Vergleich der Steuersysteme von 23 Ländern. Dabei betonte das ZEW, dass die Studie nur eine Momentaufnahme sei. „Der Steuerwettbewerb geht weiter“, sagte der ZEW-Steuerexperte Friedrich Heinemann. Um ein attraktiver Standort zu bleiben, müssten die Steuern in Deutschland sinken.

Mit einer effektiven Steuerbelastung von im Schnitt 33,1 % liegt Frankreich in der Rangfolge des ZEW auf Platz Zwei. 32,8 % Steuern müssen Kapitalgesellschaften in Italien und Malta bezahlen. Deutschlands direkter Nachbar Polen verlangt dagegen von Kapitalgesellschaften im Schnitt nur einen Steuersatz von 18 %. Vergleichsweise niedrige Steuern erheben auch die anderen osteuropäischen Staaten. In Ungarn liegt die effektive Belastung im Schnitt bei 18,1 %, in der Slowakei bei 16,7 % und in Lettland sogar nur bei 14,4 %. Diesen Satz müssen auch Unternehmen in Irland bezahlen.

Relativ hohe Steuern werden dagegen neben Deutschland und Frankreich auch in den meisten anderen westeuropäischen Staaten fällig: in Belgien 29,7 %, in Dänemark 27 % und in England 28,9 %. In der Schweiz liegt der Durchschnittssatz bei 21,8 %. Für seine Berechnung berücksichtigte das ZEW alle belastungsrelevanten Ertrags- und Substanzsteuern sowie die in den Ländern geltenden Vorschriften zur Bestimmung der Bemessungsgrundlage wie zum Beispiel Abschreibungsvorschriften.

„Der Vergleich zeigt, Deutschland hat Nachholbedarf, auch wegen der Dynamik in den anderen europäischen Ländern“, sagte Heinemann. Prinzipiell müsse dass Steuersystem auch umgebaut werden weg von den direkten, wachstumshemmenden Steuern hin zu indirekten Steuern wie der Mehrwertsteuer.

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) hatte erst am Wochenende eine Unternehmenssteuerreform vor 2007 abgelehnt. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hatte in der vergangenen Woche die Debatte über eine Steuerreform in Gang gebracht und angekündigt, die Regierung werde die Steuern für Kapitalgesellschaften senken. Eichel sagte, schon jetzt zahlten Kapitalgesellschaften in Deutschland auf Grund der zahlreichen Gestaltungsmöglichkeiten nicht zu viel Steuern.

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