Ziel Deutschland und Österreich
Flüchtlinge dürfen einreisen

Für hunderte Flüchtlinge hat ihr Elend in Ungarn ein Ende. Um eine humanitäre Katastrophe zu vermeiden, dürfen sie ausreisen.

BudapestDie aus Ungarn kommenden Flüchtlinge können nach Österreich und Deutschland einreisen. Wie der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann am späten Freitagabend nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA erklärte, sei die Entscheidung mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel abgestimmt. Zuvor hatte sich die Lage in Ungarn immer weiter zugespitzt.

Jede Hilfe kam zu spät: In der ungarischen Stadt Bicske ist am Freitag ein pakistanischer Flüchtling leblos neben Bahngleisen aufgefunden worden. Rettungskräfte sagten der Nachrichtenagentur MTI, sie hätten 50 Minuten lang versucht, den 51-Jährigen wiederzubeleben. Die Bemühungen seien vergebens gewesen. Er gehörte zu einer Gruppe von Menschen, die seit Donnerstag in einem Zug nahe Bicske festsaßen. Die Polizei erklärte, sie könne zur Todesursache noch keine Angaben machen. Aber angesichts der dramatischen Verhältnisse wuchs die Angst vor weiteren schweren Zwischenfällen.

Budapest im Ausnahmezustand. Vor den verschmutzten Toiletten stehen die Menschen Schlange. Um die wenigen Wasserhähne im Untergeschoss des Budapester Keleti-Bahnhofes drängen sich die Flüchtlinge. Nebenan wäschst eine Mutter in schmutzigem braunem Wasser auf dem Granitboden ein paar Kleidungsstücke ihrer Kinder. Von kirchlichen oder staatlichen Organisationen fehlt jede Spur. Selbst das kleine Hilfsbüro der privaten ungarischen „Migration Aid“ ist geschlossen.

In der Transitzone des Ostbahnhofes herrschen hygienische Bedingungen, die bislang in Europa nicht üblich waren. Die Migranten schwanken zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Wird Europa, wird Deutschland sie aus ihrer miserablen Lage befreien? Ziellos schlendern ein paar Rechtsextremisten durch den Bahnhof und verschenken verächtliche Blicke an Migranten. Aus Ungarn wollen alle nur noch weg. Das beteuern die Flüchtlinge am Keleti-Bahnhof unisono. Ihre Hoffnung heißt Deutschland. In diese Richtung machten sich nun mehrere hundert Menschen – vor allem Syrer – zu Fuß auf den Weg. Bis zur österreichischen Grenze ist dies ein Marsch von mehreren Tagen. Immer wieder waren „Deutschland“- und „Germany“-Rufe zu hören.

„I want to go to Germany. Please, Angela“, hat ein Flüchtling auf die schwarze Wand in der sogenannten Transitzone geschrieben. Ein anderer formuliert seinen Wunsch ganz kurz: „SOS“. Eine Reihe von Europa-Abgeordneten, darunter auch Rebecca Harms, Fraktionschefin der Grünen im EU-Parlament, können den Flüchtlingen nichts versprechen. Denn eine Lösung des Flüchtlingsproblems in Ungarn ist noch immer unklar. Ungarn Premier Viktor Orbán will die Migranten so schnell wie möglich loswerden.

„Orbán hat ein neues Kapitel gegen die EU eröffnet“, sagt Harms. „Das vernünftige Europa wie Deutschland, Frankreich, Benelux oder Schweden wird dafür Sorge tragen, dass die Flüchtlinge aus Ungarn wegkommen können.“ Wie Harms hoffen ähnlich wie viele Politiker in Westeuropa auf eine verbindliche Quote zu Aufnahme von Flüchtlingen in der gesamten EU.

Ungarn hat seine Bahnverbindungen in den Westen weiterhin gekappt. Auf den Anzeigentafeln des Budapester Ostbahnhofs werden Flüchtlinge und Reisende informiert, dass alle Zugverbindungen nach Westeuropa weiter gekappt sind. Die Migranten sitzen somit in der Falle. Zu den ungarischen Behörden haben sie ohnehin das letzte Vertrauen verloren. Viele hundert Menschen saßen am Freitag weiterhin in den Zug in Bicske fest, knapp 40 Kilometer von Budapest entfernt.

Seite 1:

Flüchtlinge dürfen einreisen

Seite 2:

„Viele Ungarn hassen Flüchtlinge“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%