"Ziel war Terrorisierung der Bevölkerung"
20 Jahre Haft für Serben-General

Das UN-Kriegsverbrechertribunal hat den bosnisch-serbischen General Stanislav Galic zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Ihm werden die Belagerung von Sarajevo und blutiger Terror gegen die Einwohner der Stadt vorgeworfen.

HB DEN HAAG. Galic war nach Überzeugung des Gerichts als Kommandeur der serbischen Belagerungstruppen verantwortlich für zahlreiche Angriffe auf Zivilisten zwischen 1992 und 1994. Die Untersuchungshaft, die der jetzt 60-Jährige seit seiner Festnahme durch SFOR-Soldaten im Jahr 1999 abgesessen hat, wird auf die Haftstrafe angerechnet. In einem abweichenden Votum erklärte einer der drei Richter zehn Jahre Haft für Galic für ausreichend. Er sah es nicht als erwiesen an, dass die Belagerer gezielt und bewusst die Bevölkerung terrorisiert hätten.

„Nirgendwo in Sarajevo konnten Zivilisten einen sicheren Platz finden“, schilderte dagegen der Gerichtsvorsitzende Alfonsus Orie das Los der Einwohner, die fast zwei Jahre lang am hellen Tag von den umringenden Hügeln aus unter Feuer genommen wurden. Heckenschützen hätten sie bei Beerdigungen, bei Fahrten in Krankenwagen, Straßenbahnen und beim Fahrradfahren angegriffen. „Sie wurden beschossen, als sie im Garten arbeiteten, auf dem Markt einkauften oder Müll wegbrachten, und Kinder wurden beim Spiel beschossen“, schilderte der Richter die damaligen Verhältnisse. Aus den Zeugenaussagen folgerte das Tribunal: „Es ging vor allem darum, die Zivilbevölkerung zu terrorisieren, unter militärischen Aspekten hatten die Angriffe keine Bedeutung“.

Als ein Beispiel für den blutigen Alltag in Sarajevo schilderte der Gerichtsvorsitzende den Tod der Hausfrau Munira Zametica (48) beim Wasser Holen am Dobrinja-Fluss am 11. Juli 1993. Als sie vom Ufer aus ihren Eimer füllte, wurde sie von einem Hügel aus niedergeschossen und lag blutend im Wasser. Ihre Tochter Vahida und eine Freundin wagten nicht, den Schutz einer Brücke zu verlassen, um ihr zu helfen, weil weiter Kugeln einschlugen. Die Frau starb später. Nach dem vor zwei Jahren abgeschlossenen Verfahren hatte die Anklage lebenslange Haft gefordert. Die Verteidigung hatte Freispruch beantragt, da sich unter den Menschen in der Stadt 50 000 Soldaten der vorwiegend muslimischen Streitkräfte von Bosnien-Herzegowina befunden hätten. Sie hätten meist keine Uniformen getragen und mit Vorliebe von Schulen, Krankenhäusern oder Moscheen aus die Belagerer unter Feuer genommen.

Das Tribunal räumte ein, dass bosnische Soldaten gelegentlich versucht haben könnten, internationale Sympathie dadurch zu gewinnen, dass sie selbst Schüsse aus dem Hinterhalt auf Landsleute abgaben und dafür die serbischen Angreifer verantwortlich machten. Selbst wenn es so etwas gegeben haben könnte, würde es doch nichts daran ändern, dass sich die Heckenschützen-Angriffe und Bombardierungen der serbischen Belagerer vor allem gegen Zivilisten richteten, betonte der Gerichtsvorsitzende.

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