Ziel waren kurdische Einrichtungen
Anschläge im Nordirak richten Blutbad an

Zwei Selbstmordanschlägen vor den Zentralen zweier kurdischer Parteien in der nordirakischen Stadt Erbil haben am Sonntag ein Blutbad angerichtet. Die Angaben über die Zahl der Opfer gehen bislang weit auseinander. Nach US-Angaben wurden 56 Menschen getötet und 200 weitere verletzt. Dagegen geht der kurdische Minister für Menschenrechtsfragen, Mohammed Ihsan, Agenturberichten zufolge von bis zu 140 Toten aus. Unter den Opfern seien auch der Gouverneur von Erbil, Akram Mintik, und mehrere seiner Kabinettsmitglieder. In den Räumen der KDP soll sich auch Vize-Gouverneur Sami Abdul Rahman aufgehalten haben. Laut Ihsan wurden im Gebäude der KDP vermutlich 80 und bei der PUK 60 Menschen getötet.

HB ARBIL/BAGDAD. Ziel der Anschläge waren in der Stadt Arbil die Büros der Demokratischen Partei Kurdistans (KDP) und der Patriotischen Union Kurdistans (PUK), die beide mit der US-Besatzungsmacht im Irak zusammenarbeiten. In den Büros waren zum islamischen Opferfest Empfänge ausgerichtet worden, zu denen Spitzenfunktionäre geladen waren. Nach Medienberichten zündeten die Attentäter die Bomben im Abstand von fünf Minuten. Unter den Todesopfern seien auch der Polizeichef der Stadt und der Vize-Provinzgouverneur, berichteten Augenzeugen. Mehrere Funktionäre der PUK waren in den vergangenen Jahren Ziel von Attentatsversuchen, die der El Kaida-Organisation nahe stehenden Moslem-Gruppe Ansar el Islam zugeschrieben wurden.

Erbil liegt etwa 350 Kilometer nördlich von Bagdad. Bei Anschlägen am Samstag waren in Irak bereits Dutzende Menschen getötet oder verletzt worden. In den kurdischen Gebieten wurde der Notstand ausgerufen. Ärzte wurden aufgefordert, ihren Urlaub während des viertägigen Opferfestes Eid el Adha abzubrechen, die Bevölkerung zu Blutspenden aufgerufen.

US-Brigadegeneral Mark Kimmitt sagte in Bagdad, die Opferzahl von 56 Toten und 200 Verletzten sei ihm am Nachmittag übermittelt worden. Augenzeugen berichteten, die Angreifer hätten sich am Vormittag ihren Weg durch Kontrollposten vor den Parteizentralen gebahnt und dann Sprengsätze an ihren Körpern gezündet. Mitarbeiter eines Krankenhauses sagten, allein bei ihnen seien die Leichen von mindestens 50 Getöteten eingeliefert worden.

Peter Galbraith, ein ehemaliger US-Diplomat, berichtete am Telefon aus Arbil, die Leichen seien durch die Wucht der Explosionen zerfetzt worden. „Die Leute (in Arbil) stehen unter Schock“.

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