Zinspause nach Wirbelsturm „Katrina“ gefordert
US-Politiker setzen Notenbank unter Druck

Der Hurrikan „Katrina“ hat den Druck auf die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) erhöht, sich von ihrem Kurs „maßvoller“ Zinserhöhungen zu verabschieden.

tor NEW YORK. Nicht nur Ökonomen, auch Politiker der beiden großen Parteien haben die Fed aufgefordert, eine Zinspause einzulegen und auf eine Anhebung der Leitzinsen bei ihrer nächsten Sitzung am 20. September zu verzichten. An den Finanzmärkten ist die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt innerhalb einer Woche von 100 auf nur noch 70 Prozent gesunken. Auch der Dollar hat reagiert und in Erwartung einer Zinspause nachgegeben. Die Fed hatte die Leitzinsen in den USA in zehn Schritten auf zuletzt 3,5 Prozent angehoben.

„Es gibt keinen Grund, die Zinsen jetzt zu erhöhen“, sagte der republikanische Senator Orrin Hatch. Die Politiker sorgen sich nach dem Wirbelsturm um das wirtschaftliche Wachstum. Finanzminister John Snow hält eine Wachstumseinbuße zwischen 0,5 und einem Prozentpunkt in den nächsten Monaten für möglich. Die US-Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal mit einer Jahresrate von 3,3 Prozent. Der offene politische Druck auf die Notenbank ist jedoch ungewöhnlich, gilt die Unabhängigkeit der Fed doch als sakrosankt. „Das Ausmaß der menschlichen Katastrophe an der Golf-Küste könnte die Notenbanker allerdings inne halten lassen“, sagte Greg Valliere, Polit-Stratege in der Denkfabrik Stanford Washington Research Group.

Auch Ökonomen stellen sich darauf ein, dass die Fed ihren Fahrplan ändert. „Wir rechnen mit einer Pause. Die Fed wird jedoch zugleich deutlich machen, dass die Phase der Zinssteigerungen noch nicht zu Ende ist“, schreibt Ed McKelvey von der Investmentbank Goldman Sachs. Für ein Innehalten der Fed hatte sich bereits der Chefökonom der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD), Jean Philippe Cotis, ausgesprochen. Eine Zinspause ist nach Meinung von John Ryding, Ökonom bei der Investmentbank Bear Stearns in New York, nicht ohne Risiko. „Wir glauben, die Kosten einer Pause wären eine starke Zunahme der Inflation“, schreibt Ryding mit Blick auf die stark gestiegenen Energiepreise.

Michael Moskow, Fed-Präsident von Chicago, warnte ebenfalls vor Inflationsgefahren. „Ich bin besorgt, dass die Kerninflation über das hinaus geht, was ich mit Blick auf die Preisstabilität für akzeptabel halte“, sagte der Notenbanker. Wie vor ihm bereits sein Kollege Anthony Santomero deutete Moskow damit an, dass die Fed zunächst an ihrem Kurs vorsichtiger Zinssteigerungen festhalten wolle. Allerdings räumt er ein, dass Katrina die Wirtschaft stärker getroffen haben könnte als frühere Wirbelstürme.

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