Brian Rolfe hat genau das erlebt. Als ihn die GIs schließlich ins Militärhospital in der „Green Zone“ fliegen und die Notoperation gelingt, beginnt erst der eigentliche Überlebenskampf des Mannes aus West Virginia. Zwar zahlt die Versicherung die teuren Arztrechnungen. Doch Rolfe ist 30 Tage raus aus dem Irak, deshalb flattert ihm das Kündigungsschreiben von KBR ins Haus. „Egal warum – wer einen Monat nicht arbeitet, der verliert seinen Job“, sagt Rolfe.
KBR selbst, der größte amerikanische Contractor in Irak, der aus Pentagon-Aufträgen bisher mehr als 16,1 Milliarden Dollar eingenommen hat, gibt sich bei diesem Thema zugeknöpft. Vom Handelsblatt verlangte das Unternehmen aus Texas zunächst eine schriftliche Liste mit Fragen. Danach stellt KBR die Kommunikation ein.
Nachwuchs gibt es schließlich genug. Rund 100 000 Contractors, davon bis zu 40 000 Amerikaner, lassen sich inzwischen im Irak auf den Job ein – obwohl nahezu alle Firmen, etwa die frühere Halliburton-Tochter KBR, Bechtel oder die Sicherheitsfirmen Blackwater, Aegis oder Titan, in ihren Verträgen dafür sorgen, dass nach dem Auftrag im Irak keine oder nur geringe Nachforderungen gestellt werden können.
Nach Angaben des US-Arbeitsministeriums sind bis Ende 2006 etwa 770 Contractors im Irak ums Leben gekommen, 7 761 wurden verletzt. Sehr wahrscheinlich aber liegen die Zahlen noch höher, denn nicht alle Toten, Vermissten oder Verletzten werden gemeldet.
Wollen Verletzte dennoch über das Minimum hinaus Schadensersatz, eine Rente oder verlangen die Hinterbliebenen zumindest Aufklärung über die Todesumstände, dann müssen sie juristische Wege einschlagen. So wie die Familien der Blackwater-Angestellten, die im März 2004 in Falludscha ums Leben kamen. Die vier Beschäftigten der Sicherheitsfirma aus North Carolina sollten in der Stadt westlich von Bagdad eine Route für einen KBR-Konvoi erkunden. In einem Hinterhalt wurden die zwei Geländewagen gestoppt, die vier Contractors umgebracht und ihre Leichen verstümmelt. Zwei der leblosen Körper baumelten schließlich an einer Brücke über den Euphrat. Die grausamen Bilder, von CNN in die amerikanischen Haushalte übertragen, lösten eine Kettenreaktion aus. Keine Woche später, am 5. April 2004, rollte der amerikanische Vergeltungsschlag „Vigilant Resolve“ an.
Doch während die Schlacht um Falludscha schon lange vorbei ist, dauert der juristische Streit über die Vorkommnisse bis heute an. Bei einer Anhörung vor dem Kongress vor wenigen Wochen kritisierten Angehörige, dass Blackwater die Männer fahrlässig in den Tod laufen ließ. So seien Forderungen nach gepanzerten Fahrzeugen und besseren Waffen ignoriert worden. Blackwater weist die Vorwürfe zurück. Kathryn Helvenston-Wettengel, die Mutter eines der Getöteten, legt den Finger in die Wunde: „Wir haben unseren Krieg vertraglich ausgelagert“, sagte sie bei der Anhörung. „100 000 Leute sind da draußen, aber es scheint kein Gesetz zu geben, das greift.“