Zivilangestellte im Irak
Allein gelassen im Krieg

Ohne sie könnte die US-Armee im Irak nicht funktionieren. Doch behandelt werden die Zivilangestellten wie ungeliebte Kinder – vor allem, wenn ihnen etwas zustößt. Dann bedienen sich ihre Arbeitgeber eines uralten Gesetzes. Eine Handelsblatt-Reportage.

WASHINGTON. Es war in Bagdad, es war in der Nacht, und Brian Rolfe fuhr seinen Truck in der Mitte des Konvois. Brian fühlte sich nicht wohl bei dieser nächtlichen Tour. „Unsere Laster leuchteten wie Christbäume“, erinnert er sich. „Wir waren eine ideale Zielscheibe.“ Doch sowohl Brians Arbeitgeber KBR, ehemals Kellog, Brown & Root, wie auch das amerikanische Militär hatten darauf bestanden, nachts zu fahren. Zu viele Trucks waren in den letzten Monaten tagsüber beschossen oder gekapert worden. Nachts sollte es sicherer sein.

Noch immer steckte den „Contractors“, wie die Zivilangestellten im Irak genannt werden, der Angriff auf einen ihrer Kollegen, Tommy Hamill, in den Knochen. Der war am Tag gefahren, in einen Hinterhalt und in Geiselhaft geraten. Nur per Zufall konnte Hamill entkommen, physisch und psychisch schwer gezeichnet. Sechs seiner Kollegen und zwei US-Soldaten starben.

Brian Rolfe musste an Hamill denken in dieser heißen Augustnacht 2004, als die Kugel eines Heckenschützen die Seitenscheibe seines Volvo-Trucks durchschlägt und in Brians Kopf eindringt. Außer einer schusssicheren Weste hat der damals 37-Jährige keinerlei Schutz. Kein Panzerglas, keine verstärkte Tür, keinen Helm. „Der Truck sah genauso aus wie ein Laster, der in Frankreich oder Deutschland herumfährt“, sagt Brian. „Es war ein Witz.“

Irgendwie schafft er es trotzdem, seinen Truck noch zwei Meilen weit zu steuern – und rettet damit nicht nur sich, sondern auch die Fahrer hinter ihm. „Sie versuchen immer, den in der Mitte herauszuschießen“, sagt Brian. So können die Angreifer den Konvoi teilen – und die begleitende Militäreskorte.

Überleben im Irak – Rolfes Geschichte ist nur eine von vielen über die gefährliche Arbeit der Contractors. Doch was sie tun, wird zumeist in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen – so auch auf der morgen in Ägypten beginnenden Irak-Konferenz, auf der auch US-Außenministerin Condoleezza Rice teilnehmen wird. Dabei könnte die US-Army ohne die Arbeit dieser Männer und Frauen nicht einen Tag überleben. Doch behandelt werden sie wie ungeliebte Kinder.

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