Zoellicks Zickzack-Kurs
Der Weltbank-Präsident und das Gold

Es ist ein Zickzackkurs der besonderen Art: In der Debatte um die Zukunft des globalen Währungssystems hat sich Weltbank-Präsident Robert Zoellick gegen einen Gold-Standard ausgesprochen – und damit seine früheren Äußerungen stark relativiert.
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HB FRANKFURT/MAIN/SINGAPUR. „Ich plädiere nicht dafür, zum 19. Jahrhundert zurückzukehren, als die Geldversorgung an Gold gekoppelt war“, sagte Zoellick am Mittwoch in Singapur vor Journalisten. Allerdings sei Gold bereits heute ein Referenzpunkt geworden, weil Investoren schwaches oder unsicheres Wirtschaftswachstum überall in der Welt außer in China sähen.

In einem Gastbeitrag für die „Financial Times“ (Montag) hatte Zoellick von den G20-Ländern einen Plan für ein neues Währungssystem gefordert. An diesem System müssten wahrscheinlich der Dollar, der Euro, der Yen, das britische Pfund und der chinesische Renminbi beteiligt sein. „Auch sollte das System in Betracht ziehen, Gold als einen internationalen Bezugspunkt für Markterwartungen zu Inflation, Deflation und künftigem Währungswert zu nutzen. Laut Lehrbuch gilt Gold zwar als altes Geld, doch die Märkte nutzen Gold heute als alternative Form von Geldanlagen“, schrieb der Weltbank-Präsident.

In Singapur bekräftigte Zoellick, die Weltwirtschaft bewege sich nach seiner Auffassung in Richtung eines „Bretton Woods III“-Systems. Das heutige System freier Wechselkurse bezeichnete er dabei als das „Bretton Woods II“-System. In der Volkswirtschaft wird das nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführte und Anfang der 70er Jahre gescheiterte System fester Wechselkurse als Bretton-Woods-System bezeichnet. Es basierte auf dem US-Dollar als Ankerwährung, die mit Gold hinterlegt war.

Volkswirte halten einen Gold-Standard mehrheitlich für falsch. Ein Argument ist, dass die Geldmenge dann wegen der Endlichkeit der Goldvorräte nur begrenzt steigen könne, was zu Deflation führen würde. Derzeit werfen sich weltweit mehrere Länder gegenseitig vor, die eigene Währung schwächen zu wollen, um der Exportwirtschaft Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.

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