Zu Besuch bei den Red Sox
Steinmeiers „Rote Socken“-Kampagne

Der SPD-Debatte entkommt Außenminister Frank-Walter Steinmeier derzeit auch bei Auslandsreisen nicht. Immerhin, in Boston ging er endlich einmal unbeschwert in die Offensive. Für seinen Einsatz im sandigen Rund des Fenway-Stadiums konnte er sich von 40 000 Menschen feiern lassen.

BOSTON. Um endlich einmal zur „Roten Socke“ zu mutieren, muss ein Mann wie Frank-Walter Steinmeier schon weit reisen. Sehr weit sogar. Genauer gesagt bis Boston. Denn dort steht der SPD-Vize jetzt inmitten des Fenway-Stadiums in einem sandigen Rund. Locker hat er sich einen roten Blouson der „Red Sox“ übergeworfen, dem legendären Baseball-Klub der Stadt. Und gleich wird er den symbolischen Eröffnungsball vor dem Baseball-Klassiker gegen die „New York Yankees“ werfen. Steinmeier grinst.

Dass das US-Fernsehen genau diesen Moment nutzt, um Werbung einzublenden, kann dem Außenminister egal sein. Denn es geht um die Bilder, die zurück nach Deutschland gesendet werden. Und da ist der Gag gelungen. Ganz spielerisch hat der Vizekanzler das Thema „Linkspartei“ auf seiner US-Reise angetickt. Das wirkt fast wie eine Parodie auf die Rote-Socken-Kampagne, die einst der frühere CDU-Generalsekretär Peter Hintze angestoßen hatte.

Ganz ohne Risiko ist das nicht. Schon andere Politiker wie der frühere US-Präsidentschaftskandidat John Kerry sind im Fenway-Stadium von den 40 000 Zuschauern gnadenlos ausgepfiffen worden, weil ihr Wurf misslang. „Ich würde es nicht machen. Es ist ein Risiko“, hatte ihn auch Condoleezza Rice gewarnt, als sie tags zuvor in Washington von Steinmeiers Plänen erfuhr. „Viel Glück. Ich schaue mir deinen Wurf dann in You-Tube an“, frotzelte die US-Außenministerin zum Abschluss der gemeinsamen Pressekonferenz. Denn auf der Internet-Plattform lassen sich jede Menge kleine Filme über verunglückte „pitches“ von Prominenten bewundern.

Steinmeier wagt es trotzdem. Ohnehin weiß der Vizekanzler, dass er dem Thema SPD nicht mehr entgehen kann. Auf seiner Asienreise vor wenigen Wochen hat es ihn noch genervt, dass seine außenpolitische Arbeit ständig von den Parteiquerelen überschattet wurden. Aber jetzt in Boston wirkt er eher belustigt. Die Politik schlägt ohnehin ungewollte Kapriolen. So trafen vergangenen Freitag mit Steinmeier, Peer Steinbrück und Heidemarie Wieczorek-Zeul Ende gleich drei SPD-Bundesminister fast zeitgleich in Washington ein. Ein Kuriosum: Das Trio hätten den heftigen Schlagabtausch über den Bundesetat 2009 auch in der amerikanischen Hauptstadt fortsetzen können. Dort ging man sich dann aber doch lieber aus dem Weg.

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