Zu Gast bei Jay Leno
Obama „fassungslos“ über Manager-Moral

Als erster amtierender US-Präsident hat sich Barack Obama in einer TV-Talkshow die Ehre gegeben. Bei Jay Leno wütete er gegen den Moralverfall der Finanzbranche im Allgemeinen und bei AIG im Besonderen. Obama kam aber auch ins Plaudern: Über den versprochenen Hund für seine Töchter etwa und wie "cool" es ist, mit der Air Force One zu fliegen.

HB LOS ANGELES. US-Präsident Barack Obama hat bei einem ungewöhnlichen Auftritt in einer mitternächtlichen TV-Talkshow den Verfall der Moral bei Spitzenmanagern kritisiert. Er sei „fassungslos“ gewesen, als er von den enormen Bonuszahlungen an die Manager des angeschlagenen Versicherungsriesen AIG gehört habe, sagte Obama in der Talkshow des NBC-Starmoderators Jay Leno am Donnerstagabend in Los Angeles.

Es sei ihm unverständlich, wie Manager „verschwenderische“ Boni akzeptieren könnten, wenn ihr Unternehmen wie die AIG vom Staat 170 Mrd. Dollar zum Überleben erhalten habe. Amerika müsse sich wieder seiner moralischen Grundwerte besinnen, sagte Obama, der als erster amtierender Präsident in einer der populären Late-Night-Talkshows auftrat. „Die Leute müssen wieder wissen: genug ist genug.“ Notwendig seien Regularien, die verhinderten, dass Finanzinstitute wie AIG „uns in Geiselhaft nehmen“, weil ihr Zusammenbruch verheerende Folgen für die gesamte Wirtschaft hätte, meinte Obama.

Kurz zuvor hatte das US-Repräsentantenhaus mit Hochgeschwindigkeit ein Gesetz verabschiedet, um die AIG-Boni weitgehend zurückzuholen (zum Artikel). Die Abgeordneten votierten für eine 90-prozentige Sondersteuer, die auf die Millionen-Prämien der AIG-Manager zugeschnitten ist. Doch im Senat bremsten die Republikaner eine ähnliche Vorlage. Die Staatsanwaltschaft erhielt derweil von AIG die Namen der Boni-Empfänger, will sie wegen Drohungen gegen Manager zunächst jedoch nicht öffentlich machen.

Obama sagte bei Jay Leno weiter, es sei ein „kleines schmutziges Geheimnis“, dass die hoch riskanten und spekulativen Geschäfte in der Finanzwirtschaft, die Amerika letztendlich in die schwere Krise getrieben haben, „völlig legal“ gewesen seien. Es seien Gesetze notwendig, die den US-Bürger vor unseriösen Krediten schützten.

Der Präsident verteidigte erneut Finanzminister Timothy Geithner, der „hervorragende Arbeit“ leiste. Republikaner wie Senator Johnny Isakson fordern den Rücktritt Geithners, der schon sehr früh über die beabsichtigten AIG-Boni Bescheid gewusst habe.

Obwohl der Auftritt Obamas bei Leno von ernsten Themen geprägt war, gab es auch private und heitere Aspekte, die normalerweise solche Talkshows prägen: So versicherte Obama, dass seine Töchter Sasha and Malia spätestens bei seiner Rückkehr von den europäischen Gipfeltreffen (G20 und Nato) Anfang April den lange versprochenen Hund bekommen würden. Zunächst hatte er gescherzt, dass dies doch bloß ein typisches „Wahlkampfversprechen“ gewesen sei.

Die Benutzung der „Air Force One“ nannte Obama „richtig cool“, auch wenn seine Töchter nicht so beeindruckt seien. Jay Leno sprach am Ende des Gesprächs mit Obama überschwänglich von „einer der besten Nächte meines Lebens“.

Der republikanische Senator Jon Kyl kritisierte Obamas Auftreten bei Leno. Der Präsident solle stattdessen lieber in Washington die volle Verantwortung für die Vorgänge bei AIG übernehmen. Obama reagierte später vor Journalisten mit dem Satz: „Wenn Du Präsident bist, musst Du gleichzeitig spazieren gehen können und Kaugummi kauen“. Obama versuche mit seiner umstrittenen Teilnahme an der Talkshow den US-Normalbürger zu erreichen, verteidigte der Historiker Michael Beschloss im Sender NBC Obamas Auftritt.

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