Zu große Differenzen
Atomgespräche mit Iran werden verlängert

USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich und Deutschland ziehen den Joker: Die Atomgespräche mit Iran werden verlängert. Außenminister Steinmeier spricht von der „letzten Chance“, den Streit zu beenden.
  • 0

Es war ein Marathon. Intensiv und konstruktiv wie nie wurde bei den Wiener Atomgesprächen in sechs, teils wochenlangen Verhandlungsrunden nach einer Lösung für ein großes Problem gesucht: Der Iran will sein Atomprogramm behalten und tendenziell ausbauen. Die Welt will sicher sein, dass Teheran diese Technologie nicht zum Bau einer Atombombe nutzt. Der mehr als zehn Jahre alte Streit wird die Weltgemeinschaft weiter in Atem halten.

Große Teile eines Vertrags mit hochkomplizierten technischen Details sind zwar fertig, aber für eine fristgemäße Einigung bis zum 20. Juli fehlte dann doch die Zeit. Jetzt zogen die 5+1-Gruppe (USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich und Deutschland) sowie der Iran bei den Gesprächen in einem Wiener Luxushotel den Verlängerungs-Joker.

„Das ist kein Verzweiflungsakt“, ist der Iran-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Oliver Meier, überzeugt. „Es ist kein Zeichen, dass die Dinge schlecht laufen oder schlecht gelaufen sind.“ Auch die beteiligten Nationen machen in Optimismus, dass am Ende eine Einigung zustande kommen wird.

Mantraartig hatte vor allem die US-Delegation stets die Komplexität der Verhandlungen betont. Wie bei dem Zauberwürfel „Rubic's Cube“ müssten für eine Einigung sämtliche Facetten passen. Nichts sei beschlossen, bevor nicht in sämtlichen Punkten Einigung herrsche.

Dennoch werden die Beteiligten nun nicht wieder bei Null anfangen. Bis zum November soll weiter an einer umfassenden Lösung gearbeitet werden. Dann endet auch die Amtszeit von Catherine Ashton als EU-Außenbeauftragte - das Risiko, dass ihr Nachfolger nicht eins zu eins da weitermache, wo sie aufgehört hat, sei einfach zu groß, hieß es aus iranischen Delegationskreisen.

Der Iran will zur Beilegung des Streits künftig mehr bilaterale Gespräche mit den USA führen. Das kündigte Vizeaußenminister Abbas Araghchi laut iranischer Medienberichte am Samstag in Wien an. Zur Begründung sagte er, bei den Verhandlungen bestünden die meisten Differenzen mit den USA. 80 Prozent der Tagesordnung seien beispielsweise auf die Kapazität der Urananreicherung im Iran fixiert. Für den Iran stehe ein Zeitplan für die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen an erster Stelle, sagte Araghchi. Ende August oder Anfang September würden sich dann auch die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif voraussichtlich wieder in Wien treffen.

Seite 1:

Atomgespräche mit Iran werden verlängert

Seite 2:

Knackpunkt Uran-Anreicherung

Kommentare zu " Zu große Differenzen: Atomgespräche mit Iran werden verlängert"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%