Zu große Differenzen
Atomgespräche mit Iran werden verlängert

  • 0

Knackpunkt Uran-Anreicherung

Zentraler Knackpunkt war bis zuletzt das Ausmaß und die Fähigkeit des Irans zur Uran-Anreicherung. Für eine Atombombe muss Uran auf mindestens 90 Prozent angereichert werden. Teheran hat zuletzt bisherige Bestände von auf 20 Prozent angereichertem Uran praktisch komplett abgebaut. Für den Betrieb von AKWs ist nur leicht angereichertes Uran (3,5 Prozent) nötig.

Auch die Zahl der für die Anreicherung nötigen Zentrifugen war kontrovers. Nach eigenen Angaben hat der Iran derzeit rund 20 000 Zentrifugen zur Urananreicherung. Die meisten davon sind Jahrzehnte alt und nicht sehr leistungsfähig. Angeblich will der Iran bis zu 50 000 Zentrifugen installieren, der Westen will nur wenige Tausende erlauben. Als Lösung stand zuletzt im Raum, Iran den Zugang zu leistungsfähigeren Maschinen neueren Baujahrs zu ermöglichen. Dadurch müssten weniger Zentrifugen installiert werden - beide Seiten hätten die Möglichkeit gehabt, zumindest in diesem Punkt ihr Gesicht zu wahren.

„Diplomatie braucht Zeit“, sagte Kerry über die am Freitag vereinbarte Verlängerung der Verhandlungsfrist bis zum 24. November. Es habe zwar greifbare Fortschritte gegeben, in vielen Bereichen bestünden aber noch wirkliche Differenzen. „Wir haben heute einen Entwurf, der die Hauptprobleme behandelt, aber es gibt immer noch eine Reihe von Klammern und Lücken in diesem Text.“ Die erste Frist der Atomverhandlungen wäre am 20. Juli ausgelaufen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bezeichnete die Verlängerung als womöglich letzte Chance zur friedlichen Lösung des Nuklearstreits. Leider sei es bei den Gesprächen der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands mit dem Iran nicht gelungen, fristgerecht eine Einigung zu erzielen, erklärte Steinmeier am Samstag. „Trotzdem sind wir uns mit den ... Partnern einig, dass es falsch wäre, jetzt aufzugeben und die Verhandlungen zu beenden.“ Es habe in den vergangenen Monaten ernsthafte Verhandlungen und spürbare Fortschritte gegeben. „Gleichwohl bleiben in zentralen Fragen große Meinungsunterscheide bestehen“, betonte der deutsche Außenminister. Iran müsse alle Zweifel an der friedlichen Natur seines Atomprogramms ausräumen. „Diese wenigen Monate bis November könnten für lange Zeit die letzte und beste Chance sein, den Nuklearstreit friedlich beizulegen.“

Die Voraussetzungen, den Konflikt beizulegen und den Iran aus seiner Isolation zu führen, bleiben so gut wie lange nicht. Aus Diplomatenkreisen wurde stets die gute Atmosphäre bei den Gesprächen gelobt. Ein Vertrag wäre zudem auch ein Meilenstein in den Beziehungen zwischen dem Iran und den USA. Das Verhältnis der beiden Länder war in den vergangenen Jahrzehnten zerrüttet.

Seite 1:

Atomgespräche mit Iran werden verlängert

Seite 2:

Knackpunkt Uran-Anreicherung

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Zu große Differenzen: Atomgespräche mit Iran werden verlängert"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%