Zu viele Auslandseinsätze
Kritik an Frankreichs militärischem Übermut

Die militärischen Interventionen Frankreichs häufen sich. Der Rechnungshof des Landes übt deshalb Kritik – und steht damit nicht alleine da. Experten warnen davor, dass die vielen Einsätze schwerwiegende Folgen haben.
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ParisIn Frankreich nimmt die Kritik an Auslandseinsätzen zu. Aus verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Ecken werden Stimmen laut, die davor warnen, dass das Land zu schnell mit dem Militär bei der Hand sei. Den Bemühungen der Europäer um mehr gemeinsame Verteidigung kann es nur nutzen, wenn diese kritische Position stärker wird: Viele europäische Partner Frankreichs denken ebenfalls, dass Verteidigung mehr sein muss als das Entsenden von Kampfflugzeugen und schnellen Eingreiftruppen. Ohne eine politische Annäherung ist aber kaum denkbar, dass man zu einer gemeinsamen Verteidigung kommt.

Auch wenn Premier Manuel Valls in seiner Rede am Donnerstag in Berlin die Aufgabe wieder recht einseitig darstellte („Wir müssen ein echtes Europa der Verteidigung schaffen, um dazu in der Lage zu sein, außerhalb unserer Grenzen einzugreifen“) – die Debatte in unserem Nachbarland entwickelt sich. In den vergangenen Tagen legte der französische Rechnungshof einen Bericht vor, in dem er die Häufung der Auslandseinsätze kritisiert. Natürlich kann der Hof sich kein politisches Urteil erlauben. Doch er weist darauf hin, dass das Land seit 2012 mit 25 OPEX (Auslandseinsätzen) deutlich häufiger militärisch aktiv geworden sei, als es noch im Weißbuch von 2013 als operative Obergrenze vorgesehen war. Seit 2008 stünden ununterbrochen im Schnitt mindestens 8.000 französische Soldaten in einer Operation im Ausland.

Zudem seien die Kosten stark gestiegen. Jedes Jahr fielen nun ungeplante Zusatzkosten von 1,1 Milliarden Euro an. Auch pro Soldat im Einsatz werde mit 100.000 Euro zusätzlich doppelt so viel an Mehraufwand geleistet wie noch vor zehn Jahren. Dabei seien in diesen Zahlen noch nicht einmal alle echten Kosten erfasst.

Die Prüfer bemängeln, dass die Menge an Einsätzen zwei Folgen habe: Erstens seien sie nicht mehr zu leisten, ohne sich auf materielle Unterstützung von Bündnispartnern zu verlassen. Immer häufiger müsse Frankreich seine Partner um Hilfe bitten, sei es für den Lufttransport oder auch für Munition. Zweitens litten Menschen und Material unter der übermäßigen Auslastung. Die Soldaten würden nicht mehr ausreichend ausgebildet oder nach dem Einsatz körperlich und mental wieder aufgebaut, das militärische Material verschleiße wesentlich schneller. Im Ergebnis leide Frankreichs Verteidigungsfähigkeit und das Land sei heute kaum noch dazu in der Lage, schnell auf eine neue, unabweisbare Anforderung zu reagieren.

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„Wir haben die französische Tradition verleugnet“

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