Zu wenige gingen zur Abstimmung
Referendum in Italien über Embryonenforschung gescheitert

Wegen einer zu geringen Beteiligung ist das Referendum über eine Liberalisierung künstlicher Befruchtungen in Italien gescheitert. Das Innenministerium teilte am Montagnachmittag mit, lediglich 26 Prozent der Abstimmungsberechtigten hätten sich beteiligt. Erforderlich für eine Annahme wären 50 Prozent gewesen.

HB ROM. Beobachter werten dies als großen Erfolg für die römisch-katholische Kirche, die zum Boykott der Abstimmung aufgerufen hatte. Bis 15.00 Uhr hatten die Italiener am Montag noch Zeit, ihre Stimme abzugeben. Schon am Sonntag hatte sich eine niedrige Beteiligungin der überwiegend katholischen Bevölkerung abgezeichnet. Auch Papst Benedikt XVI. hatte sich in die Debatte eingeschaltet und den Aufruf zum Abstimmungsboykott unterstützt. Es war eine der hitzigsten Ethikdebatten seit der Legalisierung der Scheidung und der Abtreibung in den 70er Jahren. Nun wird Italiens Rechtslage, die in der Frage künstlicher Befruchtungen als eine der konservativsten in Europa gilt, bestehen bleiben. </>

„Die Kirche jubelt: Ziel erreicht“, lautete die Schlagzeile der Tageszeitung „Il Messaggero“ mit Blick auf den Appell der Bischöfe und Priester, über das menschliche Leben nicht per Referendum zu entscheiden. Bei der emotional angeheizten Abstimmung ging es darum, in vier Passagen das im vergangenen Jahr verabschiedete restriktive Gesetz zu künstlichen Befruchtungen zu ändern. So sollten bei einem Ja unter anderem die Forschung an Embryonen zugelassen und die Spende von Ei- und Samenzellen erleichtert werden.

„Das ist ein Sieg jenes Italiens, das an traditionelle Werte glaubt“, erklärte der konservative Senator Riccardo Pedrizzi. „Jene Italiener, die wissen, wie das menschliche Leben geschützt wird, haben gewonnen“, kommentierte Maria Burani Procaccini, eine Abgeordnete des konservativen Lagers, das Ergebnis. Sie dankte der Kirche für ihre Überzeugungsarbeit. Die Abstimmung war weithin als Test dafür angesehen worden, wie einflussreich die Kirche heute in Italien noch ist.

Beobachter machten für die geringe Beteiligung auch eine allgemeine Politik-Unlust sowie den komplizierten Charakter des Referendums verantwortlich. Insgesamt hatten die Bürger über vier Einzelpunkte abzustimmen. Die wenigen, die ihre Stimmen trotz des Aufrufs zum Wahlboykott abgegeben hatten, stimmten mit einer großen Mehrheit zwischen 75 und 90 Prozent für eine Lockerung des Gesetzes.

Neben zahlreichen Wissenschaftlern hatten sich auch einzelne Mitglieder der Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi für eine Liberalisierung ausgesprochen - etwa die Gleichberechtigungsministerin Stefania Prestigiacomo.

Italienischen Frauen müsse dabei geholfen werden, Kinder zu bekommen. In seiner jetzigen Form stelle das Gesetz einen Angriff auf die Rechte der Frauen dar, erklärte sie. Seit das Gesetz in Kraft ist, hat sich in Italien die Zahl der unfruchtbaren Paare, die im Ausland nach Hilfe suchen, verdreifacht. Italien hat eine der niedrigsten Geburtenraten in Europa.

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