Zünder an Bahnstrecke gefunden
Bombenanschlags-Serie erschüttert Bombay

Bei einer offenbar koordinierten Serie von Bombenanschlägen sind am Montag im Zentrum der indischen Finanzmetropole Bombay mindestens 46 Menschen getötet und mehr als 130 verletzt worden. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand.

Reuters BOMBAY. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Allerdings verdächtigte die Polizei eine verbotene islamische Studentengruppe, die mit Separatisten aus Kaschmir zusammen arbeiten soll. Nach den Anschlägen fand die Polizei neun Zündvorrichtungen an einer Bahnstrecke. Ziel sei offenbar ein Zug mit Hindu-Pilgern gewesen. Das Auswärtige Amt in Berlin teilte mit, es gebe zurzeit keine Hinweise auf deutsche Opfer. Pakistan verurteilte die Tat als „Akt des Terrorismus“. In der Vergangenheit hatte Indien Moslem-Extremisten für Anschläge verantwortlich gemacht und Pakistan vorgeworfen, diese zu unterstützen. Die Beziehungen beider Atommächte hatten sich zuletzt aber entspannt.

Die erste Bombe explodierte nach Polizeiangaben auf einem stark besuchten Basar für Gold und Silber nahe einem Hindu-Tempel. Wenige Minuten später ereignete sich ein zweiter Anschlag in der Nähe des „Gateway of India“, einer Touristenattraktion inmitten der Stadt mit schätzungsweise mehr als 15 Millionen Einwohnern. Beide Bomben waren der Polizei zufolge in Taxis versteckt.

Gesundheitsminister Digvijay Khanvilkar sagte, 46 Menschen seien getötet und 137 verletzt worden. Wer für die Gewalttaten verantwortlich ist, war zunächst unklar. Die Studentisch- Islamische Bewegung Indiens, SIMI, habe aber bei ähnlichen Anschlägen in der Vergangenheit Bomben in Bussen gezündet und dabei mit der von Pakistan aus operierenden kaschmirischen Separatistengruppe Lashkar e-Taiba zusammengearbeitet, sagte Vizeministerpräsident Lal Krishna Advani. Die Polizei verdächtige beide Gruppen, an den Anschlägen beteiligt zu sein.

Die neuen Anschläge riefen Erinnerungen an eine Welle von Attentaten im März 1993 wach, bei denen in der Stadt mindestens 260 Menschen getötet wurden. Für die damaligen Anschläge waren Moslem-Extremisten verantwortlich gemacht worden, die den Tod von Glaubensbrüdern bei Unruhen zwischen Moslems und Hindus rächen wollten. Als Reaktion auf religiöse Unruhen im Bundesstaat Gujarat 2002, bei denen mindestens 1 000 Menschen - zumeist Moslems - getötet wurden, hatte die Polizei bereits seit längerem Anschläge Racheaktionen befürchtet.

„In und auf meinem Taxi lagen Beine und Hände“, berichtete ein Taxifahrer in der Nähe des Marktplatzes. Die Kleider des Fahrers trieften vor Blut. „Einige Körper wurden bis zu fünf Meter vom Explosionsort weg geschleudert“, sagte ein Juwelier, dessen Geschäft in der Nähe des Basars liegt. Neben dem braunen Sandstein-Bogen des Gateway of India lagen die Teile zerrissener Autos.

Uno-Generalsekretär Kofi Annan nannte die Anschläge vom Montag „verabscheuungswürdige Terrortaten“. Bundeskanzler Gerhard Schröder übermittelte der indischen Regierung seine Anteilnahme. Ein Sprecher des pakistanischen Außenministeriums sagte: „Wir verurteilen diese Anschläge.“ Pakistan hat stets Vorwürfe Indiens zurückgewiesen, hinter Anschlägen von Moslem-Extremisten zu stehen. Seit ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien 1947 haben die beiden Staaten drei Mal Krieg gegeneinander geführt, zwei Mal davon um die Himalaya-Region Kaschmir.

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