Zukunft der Euro-Zone
Hollande will „europäische Wirtschaftsregierung“

Frankreichs Präsident wünscht sich mehr Europa: In einem Interview macht sich François Hollande für eine gemeinsame Wirtschaftsregierung der Euro-Zone stark. Man müsse weiter gehen als bisher, so das Staatsoberhaupt.
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ParisUnter dem Eindruck der Griechenland-Krise hat sich der französische Präsident François Hollande für die Bildung einer „europäischen Wirtschaftsregierung“ stark gemacht. Diese sei erforderlich, um die Serie von Krisen in der Europäischen Union einzudämmen, sagte Hollande am Dienstag in einem Fernseh-Interview zum 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag. Er schlug zudem vor, ein „Parlament der Eurozone“ zu bilden.

Hollande kündigte an, seine Vorschläge für eine europäische Wirtschaftsregierung in Abstimmung mit der Bundesregierung voranzutreiben. Die europäischen Staaten müssten „weiter gehen“ und ein „Budget der Eurozone“ einrichten, mit dem Raum für Investitionen geschaffen werde.

In den Verhandlungen mit Griechenland habe Frankreich „seine Rolle“ übernommen, sagte Hollande. Am Ende habe „Europa gewonnen“. Der französische Präsident zeigte Verständnis für die Position der Bundesregierung im Kreis der Eurozone. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe „Gründe gehabt, misstrauisch zu sein“. Merkel hatte vor dem Euro-Sondergipfel gesagt, es werde „keine Einigung um jeden Preis geben“, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte einen vorübergehenden Austritt Griechenlands aus der Eurozone ins Gespräch gebracht.

„Ohne das deutsch-französische Paar“ hätte es in Brüssel „keine Einigung“ über den Umgang mit den griechischen Schulden gegeben, sagte Hollande. Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras habe „Mut“ bewiesen, indem er schmerzhaften Reformen zugestimmt habe.

Entsprechend der Tradition äußerte sich Hollande in dem Fernseh-Interview am 14. Juli zu zahlreichen Themen, wobei Sicherheitsfragen einen besonderen Rang einnahmen. Gruppierungen wie die Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS) stellten „alle Zivilisationen“ in Frage, sagte Hollande. Der IS wolle einen „Religionskrieg“ führen. Die Opfer des IS stammten jedoch aus „allen Religionen“, an erster Stelle seien es muslimische Opfer im Irak und in Syrien. In Frankreich seien 30.000 Sicherheitskräfte im Einsatz, um gefährdete Stellen zu schützen.

Zum Nationalfeiertag wurde auch die traditionelle Militärparade auf den Champs-Elysées in Paris abgehalten. Beim Vorbeifahren des Präsidenten waren mehr Pfiffe als Applaus zu hören. Hollande erneuerte in dem TV-Interview sein Versprechen, sich 2017 nicht zur Wiederwahl zu stellen, wenn er keinen Rückgang der Arbeitslosigkeit vorweisen könne.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Zukunft der Euro-Zone: Hollande will „europäische Wirtschaftsregierung“"

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  • Wahrscheinlich nach französischem Vorbild, das ja so blendend funktioniert.

  • Hollande will „europäische Wirtschaftsregierung“
    Jetzt will er nach Europa flüchten aber das wird nichts, Le Pen wird ihn einholen und die EU zerlegen.
    Welch ein Glück für die Freiheit der europäischen Völker.

  • eine excellente idee - wie fast immer von flanby. diese soll als erstes die Neuverschuldung in frankreich - allein 50 mrd € gemäß figaro als unvereinbar mit den europäischen verträgen und den zusagen erklären und eine strafe für frankreich verhängen.
    es ist doch lächerlich - wenn es nichtr sotraurig wäre: es werden große sprüche gemacht und wenn es enst wird wird die nationale souverainität der gerande nation oder eines europäischen zwergstaates beschworen

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