Zum Abschied in Europa
Bush bedauert seine Kriegs-Rhetorik

Zum Abschluss gibt sich der US-Präsident nochmals friedliebend: George W. Bush hat seine oftmals heftige Rhetorik vor und während des Irak-Krieges bedauert. "Ich denke, im Rückblick hätte ich einen anderen Ton, eine andere Rhetorik anschlagen können", sagt er.

HB LONDON/BERLIN. Seine teils aggressive Sprache habe den Eindruck in der Welt vermittelt, er sei ein "Typ, der nur auf Krieg aus ist", räumte der im kommenden Januar aus dem Amt scheidende Präsident in einem Interview der britischen Zeitung "The Times" ein.

So bedauere er beispielsweise die Formulierung "tot oder lebendig", mit der er einst zur Jagd auf Terroristen blies. "Dies vermittelte den Leuten, (...) dass ich kein Mann des Friedens war." Er wolle seinem Nachfolger nun Strukturen hinterlassen, die es diesem mit Blick auf die internationale Diplomatie leichter machten.

Harsche Worte fand Bush indes erneut für den Iran. Bundeskanzlerin Angela Merkel und der US-Präsident sagten auf einer gemeinsamen Pressekonferenz am Mittwoch in Meseberg, wenn der Iran auf die nächsten internationalen Angebote nicht eingehe, müsse es weitere Strafmaßnahmen geben. Sie bekräftigte damit die Beschlüsse des EU-USA-Gipfels vom Vortag in Slowenien. Merkel und Bush betonten, sie strebten eine friedliche Lösung an. Bush bekräftigte zugleich, alle Optionen blieben auf dem Tisch.

Der iranische Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad zeigte sich davon wenig beeindruckt und erklärte das Zeitalter Bush für beendet. "Ihre Ära ist vorbei, und - Gott sei Dank - werden Sie nicht länger in der Lage sein, auch nur einem Zentimeter iranischen Bodens Schaden zuzufügen", sagte Ahmadinedschad in einer vom Nachrichtensender Khabar übertragenen Rede. Er bekräftigte zugleich, dass westliche Drohungen und Sanktionen den Iran nicht einschüchtern würden und das Land unbeirrt sein Atomprogramm fortsetzen werde.

Der Besuch Bushs bei Merkel im Gästehaus der Bundesregierung war Teil seiner Abschiedsreise durch Europa. Zum Abschiedsbesuch hatten Politiker von Regierung und Opposition nochmals scharfe Kritik an der Politik des scheidenden Präsidenten geübt. Der Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-amerikanischen Beziehungen, Karsten Voigt, beklagte am Mittwoch, der Irak-Krieg habe einen tiefen Einbruch in den Beziehungen beider Länder ausgelöst.

Deutsche Politiker schelten Bush

Im Rahmen seiner Abschiedsreise durch Europa hielt sich Bush insgesamt 20 Stunden in Deutschland auf. Er wollte am Nachmittag nach Rom weiterreisen. Der SPD-Politiker Voigt machte seine Kritik in der "Berliner Zeitung" am Irak-Krieg fest. "Der Krieg basierte auf einer zweifelhaften Faktenlage, die völkerrechtliche Basis war problematisch, und die Ergebnisse sind auch problematisch", resümierte er. Inzwischen hätten sich die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA aber gut erholt.

Der CSU-Außenpolitiker Karl-Theodor von Guttenberg sagte im selben Blatt: "Wir freuen uns alle auf einen neuen Präsidenten." Das transatlantische Verhältnis brauche neue Impulse und neue Gesichter.

Wolfgang Gehrcke vom Parteivorstand der Linken erklärte: "Es gibt keinen Grund, ihm eine Träne nachzuweinen." Bushs Regierung habe die Welt belogen und damit in Kriege geführt. "Unter seiner Präsidentschaft wurde die USA in der Welt als Folterstaat bekannt." Weil Bush in Deutschland unpopulär sei, gebe es kein Bad in der Menge und keine Öffentlichkeit. Der Besuch in Meseberg sei ein "Abschied durch die Hintertür".

Der FDP-Ehrenvorsitzende Otto Graf Lambsdorff wies allerdings darauf hin, dass Deutschland es mit dem nächsten US-Präsidenten keinesfalls leichter haben werde. Lambsdorff warnte davor, über Bush zu hart zu urteilen. Im Deutschlandradio sagte er: "Ich empfehle dringend, dass wir jetzt nicht in Deutschland anfangen, mit Kritik über ihn herzufallen in einer Weise, die nur kränkend wirkt und die außer Acht lässt, dass ein amerikanischer Präsident bis zu seinem letzten Tage im Amt eine ungeheure Fülle von Macht hat." Auch ein zukünftiger amerikanischer Präsident werde "kein einfacher Gesprächspartner für die Welt sein", ob er nun Barack Obama oder John McCain heiße. Angela Merkel tue gut daran, "den Präsidenten freundlich zu behandeln, ihn freundlich zum Abschied zu empfangen und das Gemeinsame herauszustreichen". Die Amerikaner seien schließlich bedeutende Freunde und "unser größter Partner".

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