„Zum Kotzen“
Iran macht USA und Israel für Proteste verantwortlich

Irans Regime attackiert in alle Richtungen: Zwei Tage nach der blutigen Niederschlagung der Proteste reagierte die Teheraner Regierung mit deutlicher Verärgung auf die Unterstützung des Auslands für die regimekritischen Demonstranten. Zugleich wurde die Schwester von Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi verhaftet.
  • 3

HB TEHERAN. Der iranische Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad hat die USA und Israel mit drastischen Worten für die Protestwelle gegen seine Regierung mitverantwortlich gemacht. „Das ist ein von den USA und den Zionisten (Israel) inszeniertes Schauspiel, das wir zum Kotzen finden“, sagte der Präsident in einer ersten Reaktion auf die jüngsten Proteste gegen ihn. „Beide Seiten, jene, die das Schauspiel inszenieren, sowie die, die darin auftreten, machen einen Fehler. Denn die iranische Nation hat schon viele solcher Stücke gesehen und wird davon nicht beeinflusst.“ Der Präsident warf den USA und Großbritannien vor, die Demonstranten zu unterstützen, wie die Nachrichtenagentur ISNA weiter berichtete. Beide Länder würden das bereuen, fügte er hinzu.

Irans Außenminister Manuchehr Mottaki drohte mit harten Reaktionen, sollte der Westen weiter eine "vandalisierende Minderheit" unterstützen. Außerdem wurden wurden im Iran neue Festnahmen bekannt. Mottaki warnte speziell die britische Regierung, wenn sie weiter "Lügen" verbreite, werde Teheran eine harsche Antwort geben. Außenamtssprecher Ramin Mehmanparast erklärte, nach den "undiplomatischen Bemerkungen" des britischen Außenministers David Miliband werde der Londoner Botschafter einbestellt. Andere Botschafter würden folgen.

Der britische Außenminister Miliband hatte die Berichte über die blutigen Proteste "beunruhigend" genannt. Der Minister würdigte den "Mut" der Demonstranten und kritisierte die fehlende Zurückhaltung der Sicherheitskräfte. Auch zahlreiche andere Staaten hatten das brutale Vorgehen der iranischen Sicherheitskräfte verurteilt. US-Präsident Barack Obama hatte den Demonstranten seine Unterstützung zugesichert. Unschuldige iranische Bürger würden gewaltsam unterdrückt, sagte Obama am Montag an seinem Urlaubsort auf Hawaii. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte das gewaltsame Vorgehen der iranischen Sicherheitskräfte "inakzeptabel".

Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi, die sich zurzeit in London aufhält, berichtete im Nachrichtensender CNN, dass ihre Schwester am Montagabend in Teheran festgenommen worden sei. Mehrere Sicherheitsbeamte hätten das Haus, in dem sie auch normalerweise lebe, am Montagabend durchsucht, den Computer beschlagnahmt und ihre Schwerster Nushin abgeführt, berichtete die 62-jährige Menschenrechtsaktivistin. Nushin sei eine Wissenschaftlerin und keine politische Aktivistin, deshalb sei das Ziel der Aktion lediglich gewesen, sie einzuschüchtern, sagte Ebadi.

Die Revolutionsgarden im Iran warfen den ausländischen Medien vor, sich mit der Opposition verbündet zu haben, um die konservative Führung des Landes zu stürzen. "Die ausländischen Medien haben einen psychologischen Krieg begonnen", erklärte die Elite-Einheit am Dienstag der Nachrichtenagentur Isna zufolge. "Versuche, das System zu stürzen, werden nirgendwohin führen. Die Planer der Unruhen werden bald den Preis für ihre Anmaßung bezahlen. Die Opposition, die mit den ausländischen Medien Hand in Hand arbeitet, wird von ausländischen Kräften unterstützt."

Wie am Dienstag ebenfalls bestätigt wurde, ist auch ein Reporter aus Dubai festgenommen worden. Das Unternehmen Dubai Media Incorporated (DMI) teilte mit, ein 27-jähriger syrischer Reporter, sei während der Unruhen am Sonntag "verschwunden". Inzwischen hätten die Behörden bestätigt, dass er verhaftet worden sei.

Seite 1:

Iran macht USA und Israel für Proteste verantwortlich

Seite 2:

Kommentare zu " „Zum Kotzen“: Iran macht USA und Israel für Proteste verantwortlich"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Schuld für Fehlentwicklungen im eigenen Land stets bei anderen zu suchen, macht deutlich, wie hilflos die diktatorisch herrschende Clique um Achmadisowienoch bereits ist.

  • david milliband ist brit. aussenminister und jude.was für ein vorschlag zur neutralen vermittlung zwischen israel und palestina!ich wuerde den deutschen schiedsrichter hoyzer als person zur aufsicht der bundesliga erklären.europa hat realitätsverlust,es ist and der zeit,nicht mehr von umweltschutz zu reden,waehrend der drittwagen in der deutschen garage steht...,und 80 % aller einwohner der g20 staaten keinerlei ersparnisse besitzen,allen voran usa.grüsse in den iran,euro-schwachsinn muss man sich nicht ueberall aufzwingen lassen...

  • "Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi, die sich zurzeit in London aufhält, berichtete im Nachrichtensender CNN, dass ihre Schwester am Montagabend in Teheran festgenommen worden sei"

    interessant!

    Der us-amerikanische Friedensnobelpreisträger hat irgendwas von "Guantanomo wird geschlossen" genuschelt.
    Dann hat er noch versprochen die Truppen aus dem irak abzuziehen und die "Afghanistan-Strategie zu überdenken".

    ich habe an die Friedensnobelspreisträger einen Vorschlag der besonderen Art: Kauft Euch ne Atombombe und werft die irgendwo auf ne grosse Stadt ab. Dann bekommt ihr nen weiteren Nobelpreis.

    Und schön ist auch, dass die Angela sich zu Wort meldet - ich habe nämlich irgendwas in der Art "wir müssen eine gemeinsame Lösung finden" erwartet.

    Aber nöö - die Alte ist bereit einzumarschieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%