Zum richtigen Umgang mit Putin
Hauptsache, der Rubel rollt

Die Westmächte isolieren Wladimir Putin, gegen Vertraute werden Sanktionen verhängt. Doch die Wirtschaftsbosse machen weiter wie bisher, ohne Rücksicht auf Moral – und halten sich damit an eine Ur-Regel des Kapitalismus.
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DüsseldorfAdam Smith hätte seine Freude daran gehabt, wie sich deutsche Unternehmer in der Krise der Ost-West-Beziehungen derzeit verhalten. Das Verhältnis der Westmächte zu Russland ist nach der Krim-Annexion äußerst angespannt, doch die Wirtschaftsbosse machen weiter wie bisher – „business as usual“ eben. Siemens-Chef Joe Kaeser machte Mitte der Woche den Anfang mit seiner Reise nach Moskau.

Kaeser schüttelt die Hand von Kreml-Chef Wladimir Putin, RWE-Vorstand Peter Terium verkauft die Gasförder-Tochter Dea wie geplant an den russischen Oligarchen Mikhail Fridman und jetzt verhandeln laut Informationen der „Financial Times“ auch noch der französische Energiekonzern Total mit dem russischen Ölkonzern Lukoil über eine Zusammenarbeit bei der Förderung von Schieferöl. Alle Unternehmen gehen dem Ziel nach, das schon der Urvater des Kapitalismus Adam Smith, gepredigt hat: Gewinnmaximierung.

Auch Deutsche-Bahn-Chef Rüdiger Grube will demnächst nach Moskau reisen. Dort trifft er – wie zuvor schon Kaeser – Wladimir Jakunin, den Chef von Russlands milliardenschwerer Staatsbahn RZD. Die Deutsche Bahn kooperiert seit Jahren mit der russischen Staatsbahn, etwa bei Gütertransporten aus China. Zudem ist die Logistik-Sparte Schenker mit Spezialtransporten auf dem russischen Markt aktiv.

An der Personalie Jakunin wird das ganze Dilemma des Westens deutlich. Denn er ist in politischen Kreisen der Westmächte eine Persona non grata. Jakunin, der mit Wladimir Putin 1996 die Datschen-Siedlung „Osero“ aufgebaut hat und zu den engen Vertrauten des Kremlchefs zählt, gelangte als einer der Ersten auf die Sanktionsliste, die das das US-Außenministerium auf Anordnung von Präsident Barack Obama gegen Russen und Ukrainer verhängt hat, die hinter der Eskalation in der früheren Sowjetrepublik stehen sollen.

Die Westmächte fahren eine Strategie, die Russland politisch isolieren soll. Einreiseverbote wurden gegen Wirtschaftsgrößen, Amtsträger und Berater von Wladimir Putin verhängt und Russland als Ganzes fürs Erste aus dem Kreis der G8, der führenden Industrienationen, verbannt. Zudem sagte die Europäische Union den EU-Russland-Gipfel ab.

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  • Liebes Handelsblatt, wer die Wirtschaft stört, wie es z.Z. die Polit-USA, der Westen und die Bundeskanzlerin tun, dürfte mit vielen Arbeitsplätzen "spielen". Und was tun die Medien, die Establishment-, System- und Nachplapper-Medien..!? Sie tun das Gleiche..! Wer im Sinne der Kriegs-Treiber und Unruhe-Stifter schreibt und kommentiert, versündigt sich an der eigenen Bevölkerung und liefert sie möglicherweise einer kriegerischen Auseinandersetzung aus, die so total ohne Sinn ist und die ganze Welt verunsichert - was soll das..!?
    Könnte es sein, dass die Polit-USA Krieg will, da es im Kriegs- und Verteidigungs-Fall gemäß amerikanischer Verfassung keine Verschuldungs-Grenze gibt..? Bitte etwas weiter denken..!

  • @Handelsblatt: Den letzten Beitrag wollte ich eigentlich unter den Artikel von Herrn D. Neuerer ("Dtld. bei Gaslieferausfällen sehr verletzlich") setzen. Sorry.

  • Technologisch und beim Management der Ölquellen hinken russische Firmen dem weltweit üblichen Standard weit hinterher.Daher werden sie nicht weitere Explorationen u. Bohrungen vornehmen können, so dass das Öl und Gas tief im russischen Boden u. unter dem Meeresspiegel bleibt. Und obwohl sie behaupten täglich über 9 Mio. Barrel zu fördern, reichen ihre Pipeline-Kapazitäten nur für die Hälfte dieser Menge. Der Bau neuer Pipelines wird wohl noch Jahre auf sich warten lassen. Noch schlimmer: Obwohl russ. Ölunternehmen Öl fördern, landen Hunderte Mio. Dollar an Gewinn an Orten in der Schweiz und in Villen an der französischen Riviera. Höhere Ölpreise werden die russ. Unternehmerpiraten nur dazu verleiten, noch mehr Ölgeld zu stehlen. Überall und in jeder Branche versilberten die neuen russ. Eigentümer die Vermögensgegenstände ihrer Firmen, so schnell es nur ging. Die schlechte Wartung von Öl-und Gasquellen, Fördereinrichtungen u. Pipelines ist allgemein bekannt. Von den Umweltschäden ganz zu schweigen. Versuche zur Beschleunigung der Ölförderung durch Pumpen von Wasser in Ölfelder, werden die Produktivität der russischen Vorkommen langfristig mindern. Echte Unternehmer u. Investoren kennen die Bedeutung langfristiger Planung. Die Ölbarone und Oligarchen werden weiterhin Russlands Fähigkeit untergraben, dem Rest der Welt u. insbesondere Europa, eine zuverlässige Öl- und Gasversorgung zu sichern. Vor diesem Hintergrund und dem verspielten Vertrauen,ist eine Versorgung durch russisches Gas und Öl eben NICHT alternativlos. Ich lasse den Rubel woanders rollen, habe Vertrauen und kann in Ruhe schlafen.

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