Zum Tode el Sarkawis
1000 Pfund Bomben auf den „Prinzen“

Es ist der wohl schwerste Schlag, den die USA El Kaida seit Jahren versetzen konnten: Abu Mussab el Sarkawi, der Statthalter des Terrornetzwerks im Irak, ist von zwei 500-Pfund-Bomben aus der Luft getötet worden. Kann El Kaida den Verlust kompensieren?

HB BAGDAD. Der 39 Jahre alte el Sarkawi wurde nach Angaben von US-Generalmajor Bill Caldwell am Mittwochabend nahe der irakischen Kleinstadt Hibhib Opfer eines Angriffs der US-Luftwaffe. Caldwell berichtete, zwei Kampfflugzeuge vom Typ F-16 hätten je eine 500 Pfund schwere Bombe auf das Haus abgeworfen, in dem sich der Gesuchte mit Gefolgsleuten getroffen hatte. Zusammen mit el Sarkawi seien sieben weitere Menschen ums Leben gekommen. Bei den Toten handelt es sich nach US-Angaben um el Sarkawis Berater Scheich Abdel Rahman, ein Kind, eine Frau und vier noch unidentifizierte Männer.

Das US-Militärkommando zeigte am Donnerstagnachmittag deutscher Zeit Bilder des Top-Terroristen, auf denen der Kopf der Leiche zu sehen war sowie Fotos des zerstörten Hauses. Außerdem wurde ein Video von dem Luftangriff auf el Sarkawis Versteck vorgeführt. General Caldwell sagte dazu, nachdem die Bomben detoniert und das Gebäude total zerstort worden sei, hätten US-Bodentruppen die Umgebung abgeriegelt und durchsucht. Der gebürtige Jordanier sei an seinen Fingerabdrücken klar identifiziert worden. Die Hinweise auf den Aufenthaltsort des Gesuchten kamen Regierungsvertretern zufolge aus der irakischen Bevölkerung und vom jordanischen Geheimdienst.

El Kaida bestätigte den Tod ihres Anführer am Donnerstagmittag, mehrere Stunden nach der Bekanntgabe durch den irakischen Ministerpräsidenten Nuri el Maliki. Die Extremisten-Organisation meldete sich wie üblich via Internet zu Wort: „Wir sagen unserem Prinzen, Scheich Bin Laden, dass Deine Soldaten der El Kaida im Irak so weiter kämpfen wie Du, Abu Mussab al-Sarkawi, es vorgegeben hast“, hieß es in einer Erklärung anlässlich von Sarkauis Tod. Zuletzt hatte die Organisation kritisch auf die Aktionen ihres irakischen Statthalters reagiert und ihn ermahnt, die politischen Folgen seines Tuns zu bedenken.

El Sarkawi, der der islamischen Glaubensrichtung der Sunniten angehört, hat den Irak zuletzt mit gezielten Anschlägen auf Schiiten destabilisiert. Die Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten lähmen seit Monaten auch die Bildung einer Regierung, die der Gewalt Einhalt gebieten könnte. Parallel zum Tod des Rebellen-Anführers gelang Regierungschef Maliki nun aber auch auf politischer Ebene ein Durchbruch. Er setzte im Parlament nach wochenlanger Verzögerung seine Kandidaten für die Ministerien Inneres und Verteidigung durch. Die Posten, denen Polizei und Streitkräfte unterstellt sind, waren wegen der Gewalt und des Misstrauens zwischen den Religionsgruppen besonders umstritten.

Nach Ansicht des deutschen Terrorismusexperten Rolf Tophoven trifft el Sarkawis Tod El Kaida härter als eine Festnahme des Anführers Bin Laden. Die Gruppe habe die Symbolfigur des aktiven Dschihad-Kämpfers verloren, sagte der Experte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Während bin Laden nur noch als Motivator und Impulsgeber fungiert, war el Sarkawi der Aktivist des Widerstands, der sich nicht nur auf das Schlachtfeld Irak konzentrierte, sondern auch zahlreiche Terrorgruppen bis nach Europa und Deutschland beeinflusst hat.“

Sarkawi ist eines der hochrangigsten El-Kaida-Mitglieder, das seit den September-Anschlägen 2001 in den USA ausgeschaltet wurde. Sein Tod zählt zu den wichtigsten Ereignissen in dem Land seit der Ergreifung des ehemaligen Machthabers Saddam Hussein im Dezember 2003.

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