Zunahme an Atommächten
IAEA-Chef will Uran-Anreicherung unter Kontrolle stellen

IAEA-Generalsekretär Mohammed El Baradei ist besorgt über die Entstehung neuer Atommächte. Im Kampf gegen die Verbreitung von Atomwaffen forciert die Internationale Atomenergiebehörde nun ihre Bemühungen, die Herstellung von waffenfähigem Uran einzudämmen.

BERLIN. „Wir haben bereits 105 Millionen Dollar für den Aufbau einer eigenen Organisation zusammen, die nukleare Brennstäbe liefern kann“, sagte der Generalsekretär der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohammed El Baradei, am Donnerstag in Berlin. Erstmals trafen sich dort Vertreter der Atommächte und der wichtigsten Schwellenländer, um darüber zu beraten, wie internationale Kontrollen ausgebaut werden können.

Denn angesichts der weltweit rapide wachsenden Nutzung der Atomenergie erwartet El Baradei, dass nicht nur die Zahl der realen Atomwaffen-Staaten, sondern auch die der potenziellen Nuklearmächte stark wachsen wird. Jedes Land, das eine eigene Urananreicherung aufbaue und sich dadurch mit Plutonium versorge, könne danach innerhalb weniger Monate Atombomben bauen.

Weltweit gibt es rund 440 Atomreaktoren. Viele Länder planen neue Anlagen oder wollen in die Nutzung der Nukleartechnik einsteigen. Dies sei ein Fakt, den man akzeptieren müsse, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). „Und viele Staaten fürchten, dann nicht dauerhaft mit Brennstäben beliefert zu werden.“ Auch Iran hat seine umstrittenen Anreicherungsaktivitäten mit diesem Motiv begründet und weigert sich, auf die eigene Urananreicherung zu verzichten. Westliche Staaten vermuten dagegen, dass Iran Atombomben anstrebt.

Auf der von Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden gemeinsam organisierten zweitägigen Konferenz in Berlin werden Wege diskutiert, wie man den auch von Steinmeier geforderten „multilateralen Brennstoffkreislauf“ erreichen kann. Nach Angaben des IAEA-Generalsekretärs liegen dazu zwölf Vorschläge vor. Russland etwa bietet an, Staaten aus der Anreicherungsanlage Angarsk in Südrussland mit Brennstäben für Atomkraftwerke zu beliefern.

Großbritannien schlägt vor, dass Staaten mit bestehenden Urananreicherungsanlagen auf ihre nationale Exportkontrolle verzichten und die IAEA entscheiden lassen, ob Länder beliefert werden sollen. Dann könnten kommerzielle Lieferverträge abgeschlossen werden.

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