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Zur Person: Viktor Janukowitsch

mbr KIEW. Der bis kurz vor der Wahl als Apparatschik ohne Charisma geltende Premierminister Viktor Janukowitsch hat Anhänger und Gegner im Wahlkampf überrascht. In einer Fernsehdebatte mit Herausforderer Juschtschenko drehte der Regierungschef auf: Er sei ein Mann aus der Provinz und nicht wie Juschtschenko Teil des Kiewer politischen Establishments. Er sei die neue Macht, während Juschtschenko ein alter Machthaber und somit für den sozialen Verfall des grössten Flächenstaates Europas verantwortlich sei.

Dabei ist Janukowitsch ein alter Sowjet-Apparatschik: Der gelernte Kfz-Mechaniker wurde in seiner Jugend zweimal wegen Gewaltverbrechen verurteilt, die willfährige ukrainische Justiz hob die Vorstrafen aber jüngst auf. Dennoch neigt der heute 54-jaehrige noch heute zu Gewalt: Nach Berichten von Abgeordneten soll der bullige Zwei-Meter-Mann nach dem ersten Wahlgang, den er mit 39,3 Prozent nur als Zweitplatzierter absolvierte, den Gouverneur der Provinz Kiew krankenhausreif geschlagen haben.

Vor dem Wechsel ins Regierungsamt im Jahr 2002 war Janukowitsch Leiter der Donezker Gebietsverwaltungt. Dort, im industriellen und pro-russischen Osten des Landes, hat Janukowitsch seinen Rückhalt. Janukowitsch selbst spricht Ukrainisch nur schleppend und schreibt die Landessprache mit Fehlern.

Verwunderlich ist der Aufstieg Janukowitschs. Denn vorzeitig aus dem Gefängnis freigelassen, bekam er den zu Sowjetzeiten wegen möglicher Nebengeschaefte begehrten Job eines Fuhrpark-Chefs. Das deute, meinen Beobachter, darauf hin, dass Janukowitsch im Straflager als Zuträger des beruechtigten Geheimdienstes KGB angeworben wurde. Spaeter stieg Janukowitsch zum Ingenieur, ökonomen und Juristen inklusive Professorentitel auf.

Janukowitsch, der auf eine engere Anbindung an Russland setzt und die doppelte Staatsbürgerschaft verspricht, wirbt für sich mit beeindruckenden Zahlen: Während seiner Amtszeit sei die Wirtschaft gewachsen wie nie zuvor. Allein in den ersten zehn Monaten 2004 stieg das Bruttoinlandsprodukt um 12,7 Prozent – getrieben vor allem von hohen Preisen fuer Stahl und Koks. Der Regierungschef, dessen Wahlsieg ohne massive Wahlfälschungen zu seinen Gunsten diplomatische Kreise in Kiew ausschliessen, hat kurz vor der Wahl die Renten deutlich erhöht und dafuer tief ins Budget gegriffen sowie die Devisenreserven des Landes um ein Drittel geplündert. Doch damit heizte die Regierung die Inflation stark an und Rentner können heute mit höheren Pensionen faktisch weniger kaufen.

Das staatlich kontrollierte Fernsehen und die Staatsorgane tun derzeit alles, um Janukowitsch in ein positives Licht zu rücken und Opponent Juschtschenko zu verleumden. Zudem waren schon im Vorfeld des Urnengangs vom Sonntag massive Wahlfaelschungen aufgeflogen.

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