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Zurück auf Los: Das Grauen vor der Rückkehr der Drachme

Die Krise in Griechenland hält Europa in Atem. Welche Folgen hätte eine Rückkehr zur Drachme für die Banken und die Wirtschaft in Griechenland und Europa? Eine Analyse

von Malte Fischer, Anne Kunz und Gerhard Bläske Quelle: Wirtschaftswoche Online
Drachme, Euro: Die Rückkehr Griechenlands zur alten Währung ist nicht mehr ausgeschlossen. Quelle: dpa
Drachme, Euro: Die Rückkehr Griechenlands zur alten Währung ist nicht mehr ausgeschlossen. Quelle: dpa

Frankfurt/ParisEigentlich sollte es ein geruhsames Wochenende werden. Viele Börsianer hatten sich am Tag der Deutschen Einheit, an dem trotz Feiertag gehandelt wird, frei genommen, um ein langes Wochenende zu genießen. Doch dann, mitten beim gemütlichen Sonntagsfrühstück, schlägt die Nachricht wie eine Bombe ein. Im Radio erklärt der Sprecher, Griechenland habe die Währungsunion verlassen, die Drachme werde wieder eingeführt. Regierungschef Giorgos Papandreou habe angeordnet, alle Banken für eine Woche zu schließen, den Börsenhandel auszusetzen und die Konten der Bürger auf Drachmen umzustellen.

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Am Abend treten Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und EZB-Chef Jean-Claude Trichet gemeinsam vor die Fernsehkameras, um Bürger und Finanzmärkte zu beruhigen, bevor am frühen Montagmorgen die Börsen in Asien eröffnen. Der Austritt der Griechen bedeute nicht das Ende der Währungsunion, beschwichtigen sie. EZB, EU und Regierungen seien entschlossen, mit allen Mitteln Spekulationen auf den Austritt weiterer Euro-Staaten zu bekämpfen. Der Euro bleibe die gemeinsame Währung Europas.

Sieht so der 2. Oktober 2011 aus? Wohl kaum. Doch was wäre wenn Griechenland tatsächlich Pleite ginge?

Planspiel: Euro-Zone ohne Griechenland

  • Welche Folgen hätte ein Austritt Griechenlands aus dem Euro?

    Die konkreten ökonomischen Folgen eines Euro-Austritts Griechenlands sind kaum vorhersehbar, da es eine vergleichbare Situation bisher noch nicht gegeben hat. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen sowohl für Griechenland als auch für die anderen Länder des Währungsraums verheerend wären. Experten befürchten schwere Konsequenzen für den europäischen Bankensektor - dem Hauptkreditgeber Griechenlands. Und da keine entwickelte Volkswirtschaft ohne gesunde Banken auskommen kann, würden auch Verbraucher und Unternehmen stark getroffen werden.

  • Welche Folgen würden sich für Griechenland ergeben?

    Für Griechenland würde ein Euro-Austritt vermutlich den wirtschaftlichen Zusammenbruch bedeuten. Ohne Euro müssten die Hellenen wieder ihre alte Währung Drachme einführen, die vermutlich drastisch abwerten würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugute kommen.

  • Was würde sich am Schuldenstand Athens ändern?

    Die in Euro aufgenommenen Altschulden würden infolge der Abwertung der neuen eigenen Währung drastisch steigen. „Selbst ein starker Schuldenschnitt würde Griechenlands Probleme dann nicht lösen, da das Land über Jahre hinweg vom Kapitalmarkt abgeschnitten wäre“, unterstreicht ein HSBC-Experte. Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher schon.

  • Ist ein Austritt Griechenlands im Interesse anderer Euro-Länder?

    Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht. An den Finanzmärkten würden nach einem Euro-Austritt Griechenlands wohl schnell andere finanzschwache Länder unter starken Druck geraten, möglicherweise auch wirtschaftsstarke Länder. Denn letztlich könnte sich kein Investor mehr darauf verlassen, dass nicht auch andere Länder - möglicherweise in Verbindung mit einem Schuldenschnitt - aus dem Euroraum ausscheren. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden vermutlich drastisch steigen, und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraums ins Wanken geraten.

Den meisten Bankern und Börsianern graut vor diesem Szenario. Die Rückkehr zur Drachme wäre "ein Desaster für Griechenland, eine Krise für die gesamte Welt", sagt Willem Buiter, Chefökonom der Citigroup. Die Ökonomen der Schweizer Bank UBS malen ein noch dramatischeres Schreckgespenst an die Wand. Sie erinnern daran, dass der Zusammenbruch von Währungsunionen in der Vergangenheit meist in Bürgerkrieg und Militärdiktatur endete. Der Abschied Griechenlands vom Euro - eine Frage also von Krieg und Frieden auf dem alten Kontinent?

Hans-Werner Sinn, Chef des Münchner ifo Instituts, hält von solchen apokalyptischen Zerrbildern wenig. "Wenn Griechenland fallengelassen wird, verlieren viele reiche Leute einen Teil ihres Vermögens. Das ist genau der Punkt. Es geht nur darum", sagt Sinn. Und: "Griechenlands Rückkehr zur Drachme ist alternativlos."

Szenarien: Wie Griechenland aus der Krise kommt

  • Euro-Referendum

    Die Diskussion über einen Volksentscheid zum Sparkurs und zum Euro flammt in Politik und Medien immer wieder auf. „Soll Griechenland das harte Sparprogramm in die Tat umsetzen, oder soll es das Euroland verlassen?“ Die Frage sei zu stellen. Damit könnte Ministerpräsident Giorgos Papandreou „Dampf“ aus der angespannten Lage ablassen, sagen Befürworter. Beobachter und vor allem Mitglieder der stärksten Oppositionspartei Nea Dimokratia (ND) bezeichneten diese Referendum-Frage als Trick: „Es ist so als ob man fragen würde, wollen Sie arm und krank oder reich und gesund sein“, hieß es aus diesen Kreisen. Da werde die ND nicht mitmachen. Die Regierung Papandreou hat wiederholt ein Referendum nicht ausgeschlossen, das weitere Vorgehen hängt aber vom Erhalt der dringend benötigten nächsten Milliarden-Kredittranche ab.

  • Vorgezogene Wahlen

    Ein zweites diskutiertes Szenario sieht vor, dass die jetzige Regierung unter Papandreou den Sparkurs durch Erhalt der nächsten Kredit-Tranche von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) absichern kann und danach vorgezogene Wahlen proklamiert. Nach aktuellen Umfragen dürften die Sozialisten keine Mehrheit mehr erlangen, eine große Koalition mit den Konservativen wäre nötig. Nur eine sehr starke Regierung könne das Land aus der schwierigsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg führen, fordern politische Beobachter. Die nächsten regulären Wahlen wären im Herbst 2013.

  • Sofortige Neuwahlen

    Ein drittes Szenario sieht sofortige Neuwahlen oder die sofortige Bildung einer großen Koalition von Konservativen und Sozialisten vor. Eine breitere politische Zustimmung zu den Sparanstrengungen fordert auch immer wieder die „Troika“ von EU, IWF und Europäischer Zentralbank (EZB), um weitere Rettungshilfen zu gewähren. „Die politische Einwilligung auf breiterer Basis wäre sehr gut“, sagte erst kürzlich Bob Traa, ein IWF-Mitarbeiter, der seit Monaten die Bücher in Athen prüft, im Fernsehen. Wahlen kosteten viel und benötigten auch Zeit zur Vorbereitung.

Griechenland ist bankrott, ohne Schuldenschnitt hat das Land keine Chance auf wirtschaftliche Genesung. Angefeuert durch den Rücktritt des EZB-Chefvolkswirts Jürgen Stark aus Protest gegen die Finanzierung der Staatshaushalte der Krisenländer durch die EZB wächst der Widerstand im Deutschen Bundestag und in der Bevölkerung gegen die Euro-Rettungspolitik. Umfragen zufolge lehnt die Mehrheit der Bundesbürger weitere Hilfszahlungen an Griechenland ab.

  • 01.10.2011, 21:04 UhrAnonymer Benutzer: MIRO

    Katharina Michels, na denn Prost, ich stoße mit Dir an!!

  • 01.10.2011, 15:17 UhrAnonymer Benutzer: Michael43

    Griechenland muss raus aus den EURO, um wirtschaftlich gesunden zu können. SPD, GRÜNE, FDP und CDU verschleudern Milliarden an EUROS. Griechenland hat den EURO auch durch Meldung falscher Haushalszahlen erschlichen und auch jetzt sind die Haushalszahlen manipuliert.

    Der EURO ist auch stabil, ohne das Griechenland Mitglied im EURO ist. In den EURO gehören nur diejenigen Länder, die annähernd wirtschaftlich in derselben Liga spielen, was bei Griechenland nicht der Fall ist.

  • 01.10.2011, 13:59 UhrAnonymer Benutzer: derfuchs

    Hallo,

    ein sich selbst fressendes Finanzsystem ist am Ende. Es war immer auf Betrug aufgebaut, hat nur funktioniert weil es viele gibt die an das System glauben und nicht nachrechnen können oder wollen. Das hat Nichts mit den Griechen zu tun, Sie sind nur der Schuldige den man braucht um von den wahren Schuldigen abzulenken. Ein Herr Ackermann spricht vor anderen Bankern über die Griechen und Schulden ? Welche Dienstleistung bietet sein Unternehmen noch mal an ? Achja, die Verleihung von selbst erschaffenen Schuldscheinen und sonstige abgeleitete Geschäfte, Ich vergaß. Die Welt braucht überhaupt keine Banken und deren auf Schuld beruhenden Tauschscheinen, die auch noch verzinst werden -müssen-. Banken verstaatlichen, neues Regierungsgeld her mit strengen Regeln her. Aber wer das richtig und öffentlich fordert, hat nicht lange Freude an seinem Leben. Denn an dem Thema haben die Herren Banker schnell den Schlips abgebunden und dann sieht man Ihr wahres Gesicht. Wir alle werden sehen, für was Sie sich entscheiden werden, Krieg, Inflation, Enteignung, Zwangsverschuldung aller noch verbliebenen Kreditwürdigen,usw. ect. Ich tippe auf Bürgerkrieg.

    MFG

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