Zusammenarbeit mit Iran
Washington schmiedet „Achse des Guten“

Lange war zwischen USA und Iran Eiszeit. Das Mullah-Regime gehörte zu Bushs berüchtigter „Achse des Bösen“, ebenso wie der Irak. Nun wollen Washington und Teheran gemeinsam vorgehen – gegen die Isis-Kämpfer im Irak.
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Washington
Die Krise im Irak bringt offenbar zwei Erzfeinde näher zusammen. Wie das „Wall Street Journal“ in der Nacht zum Montag berichtete, bereitet die US-Regierung direkte Gespräche mit dem Iran vor. Dabei solle es um die Sicherheitslage im Irak und Wege zur Vertreibung der Sunnitenmiliz Isis gehen, sagten hochrangige US-Vertreter der Zeitung. Außenminister John Kerry bestätigte am Montag, die USA seien offen für Gespräche. Sogar eine militärische Kooperation sei nicht ausgeschlossen.

Die Gruppe, die sich „Islamischer Staat im Irak und in Syrien“ nennt, hatte in den vergangenen Tagen Teile des Iraks unter ihre Kontrolle gebracht. Die radikalen Islamisten gingen dabei äußerst brutal vor. Die Armee startete nach eigenen Angaben am Wochenende eine Gegenoffensive.

Wie das „Wall Street Journal“ weiter berichtete, wird mit dem Beginn der direkten Gespräche zwischen Washington und Teheran noch in dieser Woche gerechnet. Unklar sei allerdings noch, über welche diplomatischen Kanäle sich die US-Regierung mit Teheran austauschen wolle. Einen Anlass könnten die Atomverhandlungen mit der Islamischen Republik bieten, die am Montag in Wien beginnen.

Der iranische Präsident Hassan Ruhani hatte sich zuvor offen für eine Zusammenarbeit mit den USA im Kampf gegen die Isis gezeigt. Allerdings müsse die Initiative von den Amerikanern ausgehen. Zwischen Washington und Teheran hatte unter anderem wegen des Atomstreits jahrelang eine Eiszeit geherrscht. Zuletzt gab es aber dort bereits eine Annäherung. Zu Amtszeiten von US-Präsident George W. Bushs (bis 2009) hatte der Iran zur so genannten „Achse des Bösen“ gezählt, neben dem Irak und Nordkorea.

Die Gebietseroberungen der radikalislamischen Milizen im Irak und in Syrien alarmieren nicht nur die USA. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen will am Montag in Ankara mit dem türkischen Außenminister Ahmed Davutoglu die Bedrohungslage besprechen.

Das Nato-Land Türkei grenzt sowohl an Syrien als auch an den Irak. Alle drei Länder haben zudem eine nach Autonomie strebende kurdische Minderheit, und die Türkei befürchtet ein Übergreifen der Konflikte. Die USA haben wegen der Erfolge der sunnitischen Islamisten einen Flottenverband um den Flugzeugträger „George H.W. Bush“ in den Persischen Golf entsandt.

Der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, erwartet kurzfristig keine konjunkturellen Rückschläge wegen der neu aufgeflammten Gewalt. „Ich warne  vor  Panikmache. Es bleibt abzuwarten,  wie weit die Auseinandersetzungen  im Irak eskalieren“, sagte Horn Handelsblatt Online. „Im Zweifel führen sie zwar zu einem höheren Ölpreis, der aber kurzfristig keinerlei Einfluss auf die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland haben dürfte.“

Erst  wenn der Ölpreis „längerfristig auf hohem Niveau“ verharre, vermindere er die Kaufkraft deutscher Haushalte mit negativen Auswirkungen auf die Konjunktur, sagte Horn weiter. Aus Sicht des IMK-Chefs drohen angesichts des deflationären Umfelds im Euro-Raum auch keine Inflationsgefahren. „Das Ganze zeigt aber, wie wichtig es auf Dauer ist, sich durch die Energiewende und durch Energiesparen unabhängiger von Öleinfuhren zu machen“, sagte Horn. 

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  • Washington schmiedet etwas Gutes?

    Ist das ein schlechter Witz?

    Washington überwachte 35 Staats- und Regierungschefs!

    Washington achtet keine Gesetze und respektieren niemanden! ( Guantanamo, Irak, Afganistan, Lybien, Syrien, Ukraine, ... etc. )

    Es ist eine außer Kontrolle geratene Mafia von Schurken, die Regierungsposten übernommen hat.

    Persönliche Freiheiten werden weltweit unter dem Vorwand des selbst initiierten Terrors abgeschafft!

    Wie lange lassen wir uns das noch gefallen?

  • Im Internet tauchen jetzt immer mehr Gräuelfotos auf, die der Verantwortung dieser Terrorbande zugeschrieben wird, u.a. die Ermordung kleiner Mädchen (Kinder) "im Namen Allahs", um an deren Organe zu kommen.

    Diese Terror-Organisation wurde mit Hilfe der USA und ihrer lieben Verbündeten, insbesondere der Vorzeige-Demokratie Saudiarabien, aufgebaut, trainiert und finanziell ausgestattet. Damit ist die USA für diese Verbrechen mitverantwortlich (wie für fast allen Terror weltweit) - und SCHULDIG, wenn sie jetzt nicht deutlich Flagge zeigen und versuchen das völlige Desaster noch zu verhindern. Das nicht zu tun bedeutet dann nämlich unter diesen historischen Umständen direkt Billigung (und womöglich sogar fortlaufende Unterstützung) dieser Verbrecher. Insbesondere dem maroden Saudi-Regime, dem direkten "Hintermann" dieser Mörder, muß die "rote Karte" gezeigt werden. Der Sturz dieses Anachronismus namens Saudiarabien ist längst überfällig.

  • Tauwetterpolitik zwischen den USA und dem Iran gibt es schon länger; das liegt an sich verschiebenden Interessen in der Region. Ein schöner Artikel dazu hier: http://de.intstrat.org/article/die_politische_karte_des_nahen_ostens_reloaded_12__iran_/

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