Zusammenstöße in Kairo: Ägyptische Armee entschuldigt sich für Gewalt

Zusammenstöße in Kairo
Ägyptische Armee entschuldigt sich für Gewalt

Nachdem die ägyptische Armee einem erneuten Protest von Demonstranten in Kairo mit Gewalt begegnet war, veröffentlicht das Militär nun eine Entschuldigung. Es habe keinen Befehl zu einem Angriff gegeben, so die Führung.
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KairoDas ägyptische Militär hat in der Nacht zum Samstag einen Protest in Kairo mit Gewalt aufgelöst und sich damit die Wut der Reformbewegung zugezogen. Demonstranten berichteten von Soldaten, die mit Schlagstöcken und Taser vorgegangen seien und in die Luft geschossen hätten.

Die Armeeführung veröffentlichte am Samstag eine Entschuldigung für die Auseinandersetzung mit den Demonstranten und versprach, dies werde sich nicht wiederholen. Der Oberste Rat des Militärs, der seit dem Sturz von Präsident Husni Mubarak am 11. Februar das Land regiert, sprach von „unbeabsichtigten Auseinandersetzungen zwischen Militärpolizisten und den Kindern der Revolution“. Es habe keinen Befehl gegeben, die Demonstranten anzugreifen, hieß es in einer von der staatlichen Nachrichtenagentur Mena verbreiteten Erklärung.

Etwa 300 Demonstranten hatten sich nach Beginn der Ausgangssperre um Mitternacht geweigert, den Platz zu verlassen, auf dem am Freitag wieder Zehntausende protestiert hatten. Insbesondere fordern sie einen Rücktritt von Ministerpräsident Ahmed Schafik, der noch unter Mubarak eingesetzt wurde, und eine Aufhebung des Ausnahmezustands. Augenzeugen sagten, als Militärpolizisten begonnen hätten, die Demonstranten mit Gewalt zu vertreiben, hätten diese gerufen „Volk und Armee arbeiten Hand in Hand“. Daraufhin habe sich die Lage wieder beruhigt. Einige Aktivisten riefen jedoch am Samstag zu einem Protest „gegen die Angriffe der Armee auf Demonstranten“ auf.

Die ägyptischen Streitkräfte haben Verfassungsänderungen und Neuwahlen innerhalb von sechs Monaten angekündigt. Nach Angaben aus Diplomatenkreisen wollen sie Reformen, die darüber hinausgehen, der zukünftigen Regierung überlassen. Dem Sturz Mubaraks waren Massenproteste vorangegangen. Die Armee hat die Menschen aufgefordert, wieder zum normalen Leben zurückzukehren, auch um die Wirtschaft des Landes wieder in Gang zu bringen.

 Die Soldaten und Offiziere der Armee hatten sich während des Volksaufstandes gegen Mubarak stets herausgehalten, was ihnen die Regierungsgegner hoch angerechnet hatten. Inzwischen wird in Oppositionskreisen jedoch über eine mögliche „Konterrevolution mit Unterstützung der Armee“ spekuliert.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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