Zustimmung im Ministerrat unwahrscheinlich
EU will Unisex-Tarife für alle Versicherungen

Die EU-Kommission drängt auf eine Vereinheitlichung der Versicherungstarife für Männer und Frauen. Die deutsche Versicherungswirtschaft fürchtet bereits eine Anhebung der Tarife für Lebens-, Kranken- und Autoversicherungen, sollten die Mitgliedstaaten den Brüsseler Plänen folgen.

jh BRÜSSEL. Trotz des vehementen Widerstands zahlreicher EU-Regierungen und der Versicherungsbranche wird Sozialkommissarin Anna Diamantopoulou am morgigen Mittwoch in der Kommission eine Mehrheit für ihren Entwurf einer „Gleichbehandlungs-Richtlinie“ bekommen. Dies zeichnete sich gestern in Brüssel ab.

Die Griechin beruft sich auf den EU-Vertrag, der die Diskriminierung der Geschlechter untersagt. Der Entwurf zielt auf eine Gleichbehandlung in allen Waren- und Dienstleistungsmärkten. Gestrichen wurde das Verbot sexuell diskriminierender Fotos in den Medien.

Im Zentrum der Auseinandersetzungen stehen die Angebote der Versicherer, bei denen Männern und Frauen unterschiedliche Tarife berechnet werden. Die Kommission verweist auf Frankreich, wo abgesehen von Ausnahmen, Unisex-Tarife gelten. Diamantopoulou argumentiert, dass nicht die Geschlechtszugehörigkeit, sondern Faktoren wie Lebenswandel und Gesundheitsbewusstsein, Lebenserwartung und Gesundheitsrisiken beeinflussen.

Die Versicherungen halten dagegen. „Wir betreiben keine Diskriminierung, sondern eine versicherungsmathematische Differenzierung“, sagt Ulf Lemor vom EU-Büro des Gesamtverbandes des Deutschen Versicherungen (GDV). Lemor zufolge werden bei den Tarifen nicht, wie von der EU-Kommission intendiert, grundsätzlich die Frauen benachteiligt. Junge Frauen zahlen demnach in Deutschland für Auto-, Haftpflicht- und Unfallversicherungen weniger als gleich alte Männer. Umgekehrt liegen die Tarife für Männer bei Risikolebensversicherungen um bis zu 80 % höher als bei den Frauen. Die Sterberate sei unter berufstätigen Männern doppelt so hoch wie bei den Frauen, argumentiert der GDV. Lebens- und private Rentenversicherungen sind beim weiblichen Geschlecht zehn Prozent günstiger.

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