Zustimmung zur Homo-Ehe: Frankreichs Justizministerin preist die Kunst der Verführung

Zustimmung zur Homo-Ehe
Frankreichs Justizministerin preist die Kunst der Verführung

Zum Ende einer 110-stündigen Debatte über die Homo-Ehe versöhnt Justizministerin Taubira die Franzosen. Mit ihrem Schlusswort erobert sie auch die Herzen vieler Konservativer – die Nationalversammlung stimmt zu.
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ParisEine der längsten Debatten der französischen Nationalversammlung ist am Dienstag mit der Abstimmung über das Gesetz zur „Ehe für alle“ zu Ende gegangen. Nach 110 Stunden Beratung haben die Abgeordneten mit 329 Für- und 229 Gegenstimmen die „Homo-Ehe“ angenommen. Im Wortsinne bis zur Erschöpfung haben die Parlamentarier um das Gesetz gerungen. Mehrfach debattierten sie bis in die Nacht hinein. Einige Sitzungen gingen sogar erst am frühen Morgen zu Ende.

Die Opposition hatte mit fast 5000 Anträgen versucht, die Verabschiedung des Gesetzes aufzuhalten und die Öffentlichkeit aufzurütteln. Doch am Ende war sie selber mit ihren Kräften am Ende. Eine Politikerin geht als überraschende Siegerin aus der Redeschlacht hervor: Justizministerin Christiane Taubira. Mit Energie, Kompetenz und viel Humor verteidigte sie „ihren“ Gesetzentwurf und gewann am Ende sogar die Sympathie einiger Abgeordneter der konservativen Opposition.

Die Franzosen waren den Streit schneller leid als die Politiker: Eine große Mehrheit von ihnen findet seit Wochen, dass zu viel über die gleichgeschlechtliche Ehe geredet wird. So kam es im Januar zwar zu einer Großdemonstration von mehreren Hunderttausend Franzosen, die meisten von ihnen Katholiken, die sich in ihren Gemeinden organisierten. Auf sie folgte zwei Wochen eine etwas kleinere, aber immer noch beeindruckende Manifestation der Befürworter. Doch das neue Eherecht, das auch das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare vorsieht, hat nicht zu einem Riss durch die Gesellschaft geführt, das „progressive“ gegen das „konservative“ Frankreich aufgestachelt oder die regierenden Sozialisten unpopulär gemacht.

Bei der Abstimmung am Dienstag gab es noch einmal großes Kino in der Nationalversammlung. Taubira zog ihr ganz persönliches Resümée, auf fast schon literarische Art, wie man es sich im nüchternen Bundestag kaum vorstellen kann. Sie nahm Anlauf, dankte den Abgeordneten der Regierungsmehrheit für ihre Unterstützung und denen der Opposition für ihre Hartnäckigkeit, erntete fröhliche Lacher wegen ihres Danks „für die gemeinsam verbrachten Tage und Nächte“ und dann hob sie ab – und sprach manches von dem an, was neben spröden Rechts-, Steuer- und Namensfragen mal unterschwellig, mal ganz offen in der Debatte eine große Rolle spielte: das Verhältnis der Geschlechter zueinander.

„Es gibt Dinge, die dieser Gesetzestext nicht ändert. Er schafft nicht das Spiel der Liebe ab, weder bei den Hetero- noch bei den Homosexuellen. Und es wird immer noch viele, viele Frauen geben, meine Herren, um Sie anzuschauen, zu beobachten und zu versuchen, die Zärtlichkeit zu entdecken, die Sie manchmal unter einem Panzer tragen, und die Fehler, die Sie hinter einem freundlichen Äußeren verbergen. Und um im Geflecht Ihrer Talente und Schwächen zu forschen, ob Sie "Wege über das Meer" ziehen können, wie Antonio Machado geschrieben hat. Die Frauen werden abwägen und sich entscheiden, Sie entweder auf die Folter spannen oder verführen. Sie werden immer in der Gunst stehen – oder in Gefahr sein.“ Mit diesem Schlusswort eroberte sie die Herzen auch vieler konservativer Franzosen.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

Kommentare zu " Zustimmung zur Homo-Ehe: Frankreichs Justizministerin preist die Kunst der Verführung"

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  • Bravo, Frau Taubira. Endlich mal wieder ein Lichtblick in diesen dunklen Zeiten.

  • Selbstverständlich sind ja wie in diesem einen Fall alle Schwule (ob Mann oder Frau) gleich. Alle sind ja so. Und die Männer die Frauen anbaggern und nicht merken das die Frau ihn nicht begehrt und trotzdem weiterbaggern sind natürlcih aussen vor ... Ja ne iss klar
    Was ich schon mitbekommen habe wie manche Männer Frauen anbaggern... Ohne Worte. Also alles etwas relativieren bitte!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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