Zuvor kurzen Prozess angekündigt
Revisionsverfahren im Fall Chodorkowski vertagt

Das Revisionsverfahren gegen die Verurteilung des inhaftierten ehemaligen Ölmagnaten Michail Chodorkowski ist am Mittwoch kurz nach Beginn auf den 19. September vertagt worden. Die Richter begründeten dies damit, dass der Hauptverteidiger Chodorkowskis wegen eines Krankenhausaufenthaltes nicht vor Gericht erschienen sei.

HB MOSKAU. Die Anwälte hatten zuvor deutlich gemacht, dass sie von einem kurzen Prozess ausgingen, weil die russische Regierung verhindern wolle, dass sich der frühere Chef des Ölkonzerns Yukos bei der für Dezember geplanten Nachwahl zur Duma um ein Abgeordnetenmandat bewirbt. Dies steht Chodorkowski zu, so lange er nicht rechtskräftig verurteilt ist.

Chodorkowski wurde im Mai wegen Betrugs und Steuerhinterziehung zu neun Jahren Haft verurteilt. Beobachter haben das Urteil als politisch motiviert bezeichnet, weil Chodorkowski Ambitionen auf das Präsidentenamt hatte erkennen lassen. Die Regierung von Präsident Wladimir Putin hat jede Einflussnahme auf das Urteil zurückgewiesen.

Zum Auftakt des Revisionsverfahrens warf Chodorkowski der Staatsanwaltschaft vor, seinen Anwälten den Zugang zu wichtigen Prozessdokumenten verweigert zu haben. Die Staatsanwaltschaft hielt dagegen, dass die Verteidiger des 42-Jährigen das Verfahren in die Länge ziehen wollten. Chodorkowskis Hauptverteidiger Genrich Padwa sagte der Nachrichtenagentur Interfax, er habe sich wegen eines Rückfalls einer nicht genannten Erkrankung ins Krankenhaus begeben müssen.

Staatsanwalt Dmitri Schochin erklärte, die Anwälte seien rechtzeitig über den Termin der Anhörung informiert worden. „Was hier möglicherweise passiert, ist ein banaler Versuch, das Verfahren zu verzögern.“

Die drei vorsitzenden Richter erklärten zunächst, die Anhörung werde auch ohne den Haupt-Verteidiger fortgesetzt. Einem Antrag des ebenfalls inhaftierten Geschäftspartners Chodorkowskis, Platon Lebedew, wurde stattgegeben. Er hatte gefordert, zurück ins Gefängnis gebracht zu werden, weil er gegen seinen Willen in den Gerichtssaal beordert worden sei.

Chodorkowski, der einst reichste Mann in Russland, sah bei seinem Erscheinen vor Gericht blass aus, schien allerdings guter Gesundheit zu sein. Er verfolgte den Prozessauftakt in einem Metallkäfig, der zusätzlich mit einer Glasfront gesichert war.

Chodorkowski hatte angekündigt, bei der Parlamentsnachwahl am 4. September in einem Moskauer Wahlbezirk für einen Abgeordnetensitz kandidieren zu wollen. Zuletzt hatte der frühere Öl-Magnat mit einem Hungerstreik auf sich aufmerksam gemacht. Nach eigenen Angaben wollte er damit gegen die Haftbedingungen Lebedews protestieren.

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