Zwangsabgabe für Sparer: Die Zyprer bangen um ihr Geld

Zwangsabgabe für Sparer
Die Zyprer bangen um ihr Geld

Die Sparer in Zypern müssen für die notleidenden Banken zahlen, damit Geld aus Brüssel fließt. Ein Banken-Run soll durch Maßnahmen der Zentralbank verhindert werden. Doch nun will Zypern das Rettungspaket nachverhandeln.

Nikosia/BerlinZypern im Ausnahmezustand: Das Rettungspaket für die angeschlagenen Banken der Mittelmeerinsel sieht eine Zwangsabgabe auf Guthaben der Sparer vor. Die reagierten mit Wut und Entsetzen. Ausgestanden ist die Krise noch längst nicht: Die Zustimmung des zyprischen Parlaments ist unsicher. Und weil die Regierung einen Ansturm auf die Banken befürchtet, erwägt sie, diese über den Feiertag am Montag hinaus geschlossen zu halten.

Das letzte Wort ist ohnehin noch nicht gesprochen: Zypern will die umstrittenen Bedingungen für das milliardenschwere EU-Rettungspaket nachverhandeln. Man werde versuchen, die vorgesehene Abgabe auf Bankeinlagen zugunsten von Kleinsparern kurzfristig zu verändern, erklärte Präsident Nikos Anastasiades am Sonntagabend in einer Fernsehansprache. Gleichzeitig drängte er das zyprische Parlament, das Hilfspaket am Montag zu billigen. Dieses sei unverzichtbar, um das Land vor der Pleite zu retten.

„Ich teile uneingeschränkt das ungute Gefühl, das diese schwere und bedrückende Entscheidung hervorgerufen hat“, sagte Anastasiades. „Deshalb werde ich mich weiter dafür einsetzen, dass die Entscheidungen der Euro-Zone in den nächsten Stunden nachgebessert werden, um die Auswirkungen auf kleine Sparer zu begrenzen.“

Das Land habe die Wahl, dem Paket zuzustimmen und so einen chaotischen Staatsbankrott zu verhindern, oder es abzulehnen und dann alle Konsequenzen zu tragen, sagte der stellvertretende Vorsitzende der konservativen Regierungspartei Demokratische Sammlung (DISY), Averof Neophytou. Der Grünen-Abgeordnete Georgios Perdikis sprach von einer „Lose-lose-Situation“. Angesichts des zu erwartenden Ansturms auf die Banken müssten jetzt die richtigen Entscheidungen getroffen werden, um das Vertrauen wiederherzustellen.

Schmerzhaft wäre eine Entscheidung zugunsten der aktuellen Auflagen vor allem für die Bankkunden – anders als bei früheren Rettungsaktionen für Griechenland, Irland, Portugal und Spanien. Denn die Retter brechen ein Tabu: Damit Zypern die bis zu zehn Milliarden Euro aus dem Euro-Krisenfonds ESM erhält, muss das Land die Anleger an der Rettung beteiligen. Bei Einlagen unter 100.000 Euro wird eine Abgabe von 6,75 Prozent fällig, bei höheren Beträgen liegt der „Zypern-Soli“ sogar bei 9,9 Prozent.

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Von den 69 Milliarden Euro, die auf zyprischen Konten liegen, gehören zwar rund 37 Prozent ausländischen Anlegern, vor allem reichen Russen und Briten. Doch besonders hart trifft es die Insulaner selbst – vor allem jene, die nicht so wohlhabend sind.

Um einem massenhaften Ansturm auf die Konten zuvorzukommen, hat die Zentralbank Zyperns das gesamte Bankensystem quasi lahmgelegt. Über ein entsprechendes Schreiben von Zentralbankchef Panicos Demetreades von Samstag berichteten am Sonntag griechischsprachige Medien. Demetreades verbietet demnach darin „vorläufig und bis auf weiteres“ sämtliche Transaktionen wie Auszahlungen oder Überweisungen innerhalb und außerhalb Zyperns, sogar innerhalb derselben Bank. Bereits erteilte Aufträge seien auszusetzen, heißt es weiter in dem Schreiben.


„Und ich dachte, alles unter 100.000 Euro wäre sicher“, stöhnt der Angestellte Andri Menelapou. „Ich habe nicht viel und sehe nicht ein, warum ich für Fehler der Banken zahlen soll.“ Und ein 28-jähriger Mechaniker fragt: „Wo bleibt die Solidarität der EU? Was haben wir bekommen? Nichts.“ Der 54-jährige Andy Georgiou macht seinem Zorn über die Russen Luft: „Ich bin sehr verärgert. Ich habe Jahr um Jahr für mein Geld gearbeitet und nun verliere ich es, weil die Holländer und Deutschen es so wollen. Die Russen bleiben ungeschoren.“

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