Zwangsabgaben
Briten müssen länger arbeiten und mehr sparen

Die Briten ahnen es längst, doch nun kommt es schwarz auf weiß: Sie werden bis 67 arbeiten müssen, bevor sie die Staatsrente erhalten. Das ist das Ergebnis eines Rentenberichts, den eine Kommission des früheren Unternehmerverbandspräsidenten Adair Turner heute vorlegt. Nach dem, was bekannt wurde, müssen die Briten zudem erheblich mehr für das Alter sparen – vermutlich mit neuen Zwangsabgaben.

LONDON. Der Bericht enthält so viel Zündstoff, dass Premier Tony Blair und Schatzkanzler Gordon Brown noch am Dienstagabend in der Downing Street eine Strategie berieten. Brown nannte die von Turner vorgeschlagene Erhöhung der staatlichen Grundrente bereits „unbezahlbar“. Nichts sei ausgeschlossen, erklärte Blair dagegen am Dienstag vor dem Kongress des Unternehmerverbands CBI: „Wir bemühen uns hier um die Lösung der Rentenfrage für eine Generation.“ Rentenminister John Hutton warnte, die Briten müssten mehr Eigenverantwortung übernehmen. Die Experten sind sich einig, dass eine Rentenlücke klafft und der nächsten Generation Altersarmut droht.

Die Probleme sind die gleichen wie in Deutschland: Mit der Lebenserwartung steigen die Alterskosten, aber das Geld fehlt. Doch während die Renten in Deutschland immer noch im Wesentlichen per „Generationenvertrag“ aus dem laufenden Wirtschaftsaufkommen bestritten werden, sind britische Renten in viel höherem Maße privat vorfinanziert – durch Betriebsrenten und private steuerbegünstigte Alterssparfonds. Diese waren das Vorbild für die deutschen Riesterrente.

Nur die Staatsrente wird aus Lohnabgaben finanziert. Brown hält sie geschickt niedrig: Sie steigt mit der Inflationsrate, nicht mit den Einkommen. Bei einem Höchstsatz von wöchentlich 82,05 Pfund (122 Euro) kostet sie Brown im laufenden Jahr 50 Mrd. Pfund. Ein Betrag, der den Etat nicht überlastet, aber auch niemandem den Lebensabend sichert. Hier wird Turner eine deutliche Anhebung fordern.

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