Zwangsabgaben

Die Reichensteuer - ein Ländervergleich

In vielen Ländern werden Wohlhabende mit Sonderabgaben zur Kasse gebeten. Das mag das Gerechtigkeitsgefühl befriedigen, Entscheidendes aber tragen die Spitzenverdiener nirgendwo zur Sanierung der Staatskassen bei.
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Die Große Koalition hob den Spitzensteuersatz in Deutschland faktisch auf 45 Prozent an. Nun geht es Richtung 49 Prozent. Quelle: dpa

Die Große Koalition hob den Spitzensteuersatz in Deutschland faktisch auf 45 Prozent an. Nun geht es Richtung 49 Prozent.

(Foto: dpa)

Über Steuererhöhungen wird schon verhandelt. Die Große Koalition hob den Spitzensteuersatz faktisch auf 45 Prozent an. Nun geht es Richtung 49 Prozent. Ein „höherer Beitrag von Besserverdienenden zur Finanzierung des Gemeinwesens“ sei „unerlässlich“. Dieser Satz stammt nicht etwa aus einem Parteiprogramm, er findet sich vielmehr in einer aktuellen Beschlussvorlage des Deutschen Bundesrats. Sie sieht vor, den Spitzensteuersatz für Einkommen ab 100.000 Euro pro Jahr auf 49 Prozent zu erhöhen.

Die Antragsteller, vier rot-grüne Länder, erwarten sich davon fünf Milliarden Euro zusätzlich für die Staatskasse. Und sie spüren eine mehr als heimliche Sympathie der CDU-Länder. Im Herbst befasst sich der Vermittlungsausschuss damit. Die Bundesregierung wird mindestens einen politischen Preis zahlen müssen, falls sie die Steuererhöhung nicht will. Dabei steht sie eigentlich noch mit einem Steuerentlastungsversprechen im Wort.

Zur Realität gehört, dass höhere Einkommen schon heute einen überproportionalen Teil der Einkommensteuer tragen, wie eine aktuelle Übersicht des Bundesfinanzministeriums belegt: Die oberen zehn Prozent der Steuerzahler, das sind Menschen mit mehr als 70.000 Euro im Jahr, führten 2011 immerhin 54,6 Prozent aller Einkommensteuern ab. Das sind drei Prozentpunkte mehr als vor zehn Jahren.

Dazu trägt, in gewissem Umfang, auch die Reichensteuer bei, die 2007 von der Großen Koalition eingeführt wurde: Für Einkommen ab 250.000 Euro gilt ein erhöhter Spitzensatz von 45 statt 42 Prozent. Das steuert knapp eine Milliarde Euro zu den 225 Milliarden Euro an Einkommensteuern bei.

Bei der Erhebung vermögensbezogener Steuern - dazu zählen etwa Grund- und Erbschaftsteuern - liegt Deutschland im internationalen Vergleich eher zurück: Mit knapp einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts ist das Aufkommen nur halb so hoch wie im OECD-Durchschnitt. Einige Ökonomen halten indes die ganze Debatte für verfehlt. „Dies ist das sichere Mittel, um Besserverdienenden das Leben in Deutschland schwerzumachen“, sagt der Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz.

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17 Kommentare zu "Zwangsabgaben: Die Reichensteuer - ein Ländervergleich"

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  • Die steuerabzockendeSPD und die DDR-nostalgische Linke streuen dem Volk Sand in die Augen. Diese Linken möchten das Steuerabkommen mit der Schweiz bodigen, fordern dagegen eine Fiskalunion, bei der die Deutschen halb Euro-Europa finanzieren müssen. Zu denken gibt bereits, dass die BRD mehr Nettoempfänger staatlicher Transferzahlungen hat als Nettozahler. Die Schweiz kann das Problem nicht lösen. Das Problem sind die Südländer mitsamt Frankreich und die Sozis in Deutschland und der Schweiz.

  • Ach, ist es nicht schön, wenn selbst gebildete Menschen auf die linke Propaganda der Regierung udn Opposition hereinfallen?!

    Die oberen 10 % - wie man sie immer so gerne nennt - tragen mehr als die Hälfte der Einkommensteuerlast in Deutschland.

    Ein Arbeitnehmer, der ca. €2.000 verdient, zahlt übrigens rund 70 % seines Eigentums in Form von Steuern und Abgaben an den Staat. 70 %!!!!

    Dem Staat mangelt es nicht an Geld. Dieses Jahr hat Deutschland die höchsten Steuereinnahmen seit 1949 - dennoch werden neue Schulden aufgenommen. Jeder einzelne Cent an den Staat gebiert mindestens zehn weitere Cent, die der Staat verlangt. Hier hilft nur konsequentes Austrocknen des Sumpfes.

  • "Entscheidendes aber tragen die Spitzenverdiener nirgendwo zur Sanierung der Staatskassen bei."

    Warum nicht? Alles ein Klüngel. Frust, Frust und nochmal Frust

  • stimme Ihnen zu.
    Die unteren und "normalen" Einkommen sind viel zu hoch besteuert und mit viel zu hohen Sozialabgaben belastet , dazu eine Rentenabgabe die die sowieso nie sehen werden - Betrug am arbeitenden Volk !
    Und das hätte schon längst verbessert werden , wenn man die Multis und Eliten mehr in die Verantwortung nehmen würde.

  • @micha

    das ist doch häufig einen Milchmädchenrechnung. In keinem Land gibt es was umsonst! Was sie anderswo an geringeren Steuern zahlen, müssen sie dann z.B. in Studiengebühren wiederum investieren.

    niemand da draußen hat was zu verschenken. Man mus aber zu einem System finden, dass am Besten die Interessen der Mehrheit unter einen Hut bringt.

    Da die meisten Arbeitnehmer sind, ist es wohl nicht zu viel verlangt zu erwarten, dass Vermögende auch an den Ausgaben des Staates beteiligt werden wie die Arbeitnehmern halt auch! Wo kommen wir denn da hin, wenn das nicht gemacht wird.

    in DE werden manche Vermögende weniger besteuert als manche Normalarbeitnehmer - in Relation zum Vermögen/Einkommen und DAS kann ja wohl nicht sein.

    Steuerbefreiung Dienstwagen muss aucch nicht sein.

  • @Fahrenheit: ist ihnen mal in den Sinn gekommen, dass Personen mit geringerem Einkommen das genauso sehen???

    wenn ich Vollzeit arbeite verdien ich umgerechnet auf die Stunde weniger als mit 30-Std.-Woche!

    Das liegt aber an den Sozialabgaben und den Steuern.

    und die Sozialabgaben und Steuern bei den Einkommen sind so hoch, weil andere Einkommensarten nicht berücksichtigt werden.

    in DE beträgt die Vermögenssteuer nur 0,9%, in den USA und GB 4% immerhin.

    man muss andere Einnahmen berücksichtigen: Kapital, Vermögen, Mieteinnahmen, Erbschaften, Luxussteuern wie Pelze,Neuwagen etc...

    dann könnten Steuern und Abgaben auf Einkommen sinken.

    in vielen Ländern zahlt man vieles über Steuern: MWSt, Luxussteuern -- dafür aber zahlt man weniger Lohnsteuer/Abgaben -- zunächst mal bekommt man ein höheres Gehalt aufgezahlt als Selbstbehalt.

    das wäre vielleicht besser. Es ist absolut falsch immer nur das Arbeitseinkommen zu belasten. Das sind übrigens alles Lohnbestandteile. Das senken von Sozialabgaben zugunsten nur des Arbeitgebers ist ne Schweinerei - das ist mein Lohnbestandteil der da gekürzt wird!

    vielleicht ist es sinnvoller mehr über Steuern zu finanzieren -- dann aber auch Vermögenseinkommen miteinbeziehen.

  • Kanada gehört zum Commonwealth, kommt also auch noch dran,
    nachdem Europa platt und unter Kontrolle ist
    Was Sie nicht wissen sollen:
    http://www.politonline.ch/index.cfm?content=news&newsid=1985

  • ... endlich ! Sie bringen es auf den Punkt !
    Nur da müßte sich die Welt-Finanzherrschafts-Elite selbst ein Bein stellen !

    http://www.politonline.ch/index.cfm?content=news&newsid=1985

  • Deutschland ist auf dem Weg in einen Neo-Sozialismus,
    und ich auf dem Weg nach Kanada :-)
    Der Letzte macht das Licht aus!

  • Und sie freuen sich dann auch auf die vielen Arbeitslosen? Glauben sie ernsthaft wenn der Staat diesen Menschen dauernd ans Leder geht, das diese noch mit Freude sich für Deutschland und deren Beschäftigte einsetzten?

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