Zwei Geiseln
Dritter Deutscher entkam Entführern im Irak

Wieder sind Deutsche in die Gewalt irakischer Entführer geraten: Zwei Ingenieure aus Leipzig, die in einer Chemiefabrik in der Stadt Baidschi tätig waren, sind am Morgen verschleppt worden. Einen deutschen Kollegen der Männer ließen die Kidnapper laufen.

HB BAGDAD/BERLIN. Der Sprecher der Chemiefabrik berichtete, die Kidnapper hätten den Deutschen, die in einer Kaserne der irakischen Armee in Baidschi übernachtet hätten, am Morgen auf dem Weg zur Arbeit aufgelauert. Die Entführer seien in zwei Fahrzeugen vorgefahren und hätten Uniformen der irakischen Nationalgarde getragen. Sie zwangen die Deutschen nach Aussage des Sprechers, aus ihrem Auto auszusteigen, und fesselten ihnen die Hände. Dann hätten sie die Ingenieure in den Kofferraum eines ihrer zwei Autos geworfen und seien davongefahren.

Die beiden Ingenieure seien mit einem deutschen Kollegen und einem Iraker unterwegs gewesen, berichtete der Sprecher der einheimischen Firma weiter, die Reinigungsmittel herstellt. Den Iraker und den dritten Deutschen hätten sie verschont, weil sie beide für Araber gehalten hätten. Die Chemiefabrik befindet sich in einem Industriekomplex unweit der größten irakischen Raffinerie. Beidschi liegt etwa 200 Kilometer nördlich von Bagdad im so genannten Sunnitischen Dreieck, das als Hochburg von Aufständischen und Terroristen gilt.

Am Dienstagnachmittag wurde durch Recherchen mehrerer Medien mehr zu den Männern bekannt: Nachdem der Nachrichtensender n-tv berichtet hatte, es handele sich um Thomas Wischke und Rebiti Drata, berichteten die „Leipziger Volkszeitung“ und die „Thüringer Allgemeine“, beide seien für die Anlagenbaufirma Cryotec aus der Kleinstadt Wurzen unweit von Leipzig tätig. Cryotec habe im November eine Luftzerlegungsanlage in den Irak geliefert.

Das Auswärtige Amt berief wegen der Entführung wieder seinen Krisenstab ein, der bereits während der Entführung der Archäologin Susanne Osthoff tätig gewesen war. Außenminister Frank-Walter Steinmeier antwortete auf die Frage, ob eine Lösegeldzahlung im Fall Susanne Osthoff die neue Geiselnahme befördert habe: „Nicht die Lösegeldzahlung, sondern die Berichterstattung darüber.“

Die Osthoff-Entführung ist die einzige eines deutschen Staatsbürgers im Irak, die bislang bekannt geworden ist. Osthoff wurde am 25. November gekidnappt und am 18. Dezember freigelassen. Angeblich wurde dafür ein Lösegeld in Millionenhöhe bezahlt. Die Bundesregierung warnt Deutsche eindringlich davor, in den Irak zu reisen. Seit der Osthoff-Entführung haben nur noch wenige deutsche Firmen Mitarbeiter in den Irak entsandt. Nach Darstellung des Auswärtigen Amtes halten sich rund 100 deutsche Staatsbürger derzeit im Irak auf, von denen die meisten familiäre Bindungen ins Land hätten.

Seit dem Ende des Irak-Krieges sind in dem Land Tausende von Menschen entführt worden, darunter hunderte von Ausländern. Die meisten Opfer kamen frei, Dutzende wurden jedoch getötet.

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