Zwei Jahre Fukushima: Keine Routine in der Ruine

Zwei Jahre Fukushima
Keine Routine in der Ruine

Das Reaktorgelände von Fukushima ist eine Todeszone. Handelsblatt Online-Korrespondent Martin Koelling hat sich hineingewagt. Sein Fazit: Die Lage ist nur stabilisiert. Sie kann jederzeit wieder außer Kontrolle geraten.
  • 37

Radioaktivität ist eine Gefahr, die ich nicht sehen, schmecken oder riechen, sondern nur messen kann. Dies wurde mir erneut in Erinnerung gerufen, als ich mit einigen weiteren Journalisten in den Ruinen des Atomkraftwerks Fukushima 1 stand. Zum zweiten Jahrestag von Japans dreifacher Katastrophe aus Erdbeben, Tsunami und Atomunfall hatte uns Tokios Stromerzeuger Tepco auf das Gelände gelassen. Beim Anblick der Atomruinen verstand ich, warum den Arbeitern im Atomkraftwerk (AKW) die Angst inzwischen vergangen ist. Noch stärker als bei meinem ersten Besuch an den Meilern überkam mich ein unwirkliches Gefühl, eine Mischung aus Nervenkitzel und Routine, aus Strahlenrisiko und dem gekonnten Umgang damit.

Geradezu pitoresk muteten die Ruinen der Reaktoren 1 bis 4 an, die unter strahlend blauen Himmel und der Frühlingssonne an der Pazifikküste in der Präfektur Fukushima säumten. Nichts raucht, nichts knistert.

Und dennoch zeigt ihr Anblick und besonders der langsame Fortschritt bei den Aufräumarbeiten, dass Takeshi Takahashi, der AKW-Chef, im Interview seine Worte sehr weise wählte. Er sprach nicht davon, dass die Lage unter Kontrolle sei. Stattdessen nutzte er den Ausdruck „stabilisiert“.

Wie bei meinem Besuch vor einem Jahr liegen an den Reaktoren noch immer zerknäulte LKWs herum, die bis heute nicht geborgen wurden. Die Rolltore der Reaktorgebäude sind noch genauso verzogen, wie der Tsunami sie am Nachmittag des 11. März 2011 hinterlassen hat.

Und Meiler 3, die stärkste Strahlenschleuder, ist im Gegensatz zu Meiler 1 noch immer ohne Überdach. Wie nach der Wasserstoffexplosion vor zwei Jahren heben sich verbogene Stahlträger der Gebäudekonstruktion kontrastreich vom Himmel ab.

Dies ist gut für Fotografen, aber schlecht für die Arbeiter. Denn die Messergebnisse zeigen, dass die Strahlung extrem hoch ist. Auf 1700 Mikrosievert pro Stunde schlägt der Strahlenmesser in unserem Bus aus, hochgerechnet fast 15000 Millisievert pro Jahr. Diesen Wert kann man durchaus als Todeszone bezeichnen. Bis heute wissen die Retter daher nicht genau, wie es in den Reaktoren aussieht. Kontrolle sieht anders aus.

Dennoch sind auch Fortschritte auch für uns Laien nicht zu übersehen. Der erste ist, dass die Strahlung soweit gesunken ist, dass wir Besucher nicht mehr im 20 Kilometer entfernten Basislager die weißen Tyvek-Strahlenschutzanzüge und Atemmasken anlegen müssen, sondern erst im Lagezentrum auf dem AKW-Gelände.

Zweitens werden unsere Besuchergruppe auf vielleicht 40 Meter an Reaktor 4 herangelassen. Vor einem Jahr durften wir die Ruinen nur von einer 200 Meter entfernten Anhöhe überschauen.

Kommentare zu " Zwei Jahre Fukushima: Keine Routine in der Ruine"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der Reaktor 4 war schon lange vor dem Unglück abgeschaltet. Hier lagern über 1500 gebrauchte Brennstäbe in einem Abklingbecken, das bisher immer genügend Wasser zur Kühlung geführt hat. Das Abklingbecken liegt in einem oberen Stockwerk und das Gebäude von Reaktor Nr. 4 ist durch die Explosion von Reaktor 3 schwer beschädigt worden - außerdem gab es in diesem Gebäude einen Brand. Nun ist die Angst groß, dass bei einem starken Erdbeben, das Kühlbecken herabstürzen könnte, mit ihm all die Brennstäbe, die dann ohne Kühlung unter freiem Himmel liegen würden - und dieses Szenario möchten wir alle nicht erleben. Deshalb konzentrieren sich die Arbeiten nun, hier das Becken von unten zu stützen und demnächst die Brennstäbe umzulagern.

  • Trotz allem schreitet die grüne Selbst- und Fremdverblödung leider fort:

    Letztes Beispiel sind die 16.000 Fukushima Atomopfer der Claudia Roth, Trittin und sogar der Tagesschau !!

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article114366195/Claudia-Roth-im-Strudel-der-Atomopfer-von-Fukushima.html

  • Wie kann man nur soviel Bullshit zu einem Thema schreiben!
    Als notorischer Besserwisser und Liebhaber der Kernkraft würde ich an Ihrer Stelle nach Fokushima ziehen!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%