Zwei Jahre nach dem Ausscheiden als EZB-Präsident starb Wim Duisenberg in seinem Haus in Frankreich
Der Vater des Euro ist tot

Der frühere Präsident der Europäischen Zentralbank, Wim Duisenberg, ertrank nach Angaben der Polizei am Sonntag im Schwimmbad seiner Villa in Südfrankreich.

HB AVIGNON/FRANKFURT. „Er starb eines natürlichen Todes an den Folgen einer Herzschwäche“, sagte Staatsanwalt Jean-François Sampieri. Ein krimineller Hintergrund sei absolut auszuschließen. Die Ehefrau Duisenbergs hatte die Polizei alarmiert. Wiederbelebungsversuche seien erfolglos gewesen, hieß es. Duisenberg verbrachte seit Jahren regelmäßig Urlaubstage in seinem Haus bei Faucon nördlich von Avignon.

Duisenberg war der erste Präsident der 1998 gegründeten EZB. Erst im November 2003 hatte er an seinen Nachfolger, den Franzosen Jean-Claude Trichet, übergeben. Unter Duisenbergs Führung wurde das Jahrhundertprojekt einer Europa-Währung realisiert, wurden zwölf nationale Notenbanken zu einem System von Zentralbanken verschmolzen und zwölf nationale Notenbankgouverneure auf eine einheitliche europäische Geldpolitik eingeschworen. Der kantige Friese mit der unverwechselbaren weißen Mähne hat die neue Institution auf Stabilitätskurs gebracht.

Steile Karriere

Wim Duisenberg wurde am 9. Juli 1935 in Heerenveen geboren. Er studierte in Groningen und promovierte mit dem Thema „Ökonomische Folgen der Abrüstung“. Von 1973 bis 1977 war er Finanzminister der Niederlande, dann Vizepräsident der Rabobank und von 1982 bis 1994 Präsident der niederländischen Zentralbank.

Duisenberg feierte am 31.12.1998 in Brüssel die Festlegung der Wechselkurse, mit denen die Mitgliedsländer im Januar 1999 in die Europäische Währungsunion einstiegen. Vorher hatte sich Duisenberg gegen den Franzosen Jean-Claude Trichet als Präsident der Europäischen Zentralbank durchgesetzt. In der Nacht zum 1.1.2002 wurde der Euro in vielen europäischen Ländern zum Zahlungsmittel - Duisenbergs Sternstunde. Im Februar 2002 erklärte Duisenberg seinen Rücktritt zum 9. Juli 2003, seinem 68. Geburtstag.

Bundesfinanzminister Hans Eichel würdigte in einer ersten Stellungnahme die Verdienste des Verstorbenen. In seiner Zeit als EZB-Präsident habe Duisenberg „mit seiner ruhigen Art die so wichtigeVertrauensgrundlage für den Euro in der Bevölkerung geschaffen und gefestigt“, erklärte Eichel in Berlin. Damit habe er maßgeblichen Anteil am erfolgreichen Aufbau der Wirtschafts- und Währungsunion. Über dieses Projekt hinaus habe Duisenberg einen außergewöhnlichen Ruf als Finanzexperte genossen. Die EZB drückte gestern im Namen des Direktoriums, des EZB-Rats und der gesamten Belegschaft ihre tiefe Trauer über den plötzlichen Tod des früheren Präsidenten aus.

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