Zwei Jahre nach der Annexion
Ernüchterung auf der Krim

Armut und Verzweiflung

In Armjansk haben die Menschen mit ganz anderen Problemen zu kämpfen, die hinter den Schlagzeilen über das Kräftemessen der Staaten zu verschwinden drohen. Bei einem Besuch der Krim im Mai dieses Jahres wurde der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew vor laufenden Kameras von einer verzweifelten Pensionärin angesprochen: „Mit der Rente kann man nicht überleben, die Preise sind verrückt“, klagte sie. Die Antwort Medwedews verbreitete sich im Internet wie ein Lauffeuer: „Wir haben einfach kein Geld. Halten Sie durch.“

Mit ihren Hotels entlang der malerischen Küste am Schwarzen Meer zog die Krim zuletzt sechs Millionen Touristen pro Jahr an, viele von ihnen Ukrainer, die mit dem Zug anreisen konnten. Seit der Annexion der Halbinsel sind die Besucherzahlen massiv eingebrochen. Ukrainische Touristen bleiben fern und russische Urlauber, die mit dem Flugzeug anreisen müssen, können den Rückgang nicht kompensieren.

„Als wir noch zur Ukraine gehörten, kamen viel mehr Leute“, sagt ein Kellner des Restaurants „Europa“ im beliebten Strandort Jewpatorija. „Man konnte sich kaum einen Weg durch die Menschenmenge bahnen.“ Jetzt lässt der junge Mann den Blick sorgenvoll über die fast leere Terrasse des Lokals schweifen.

Auch Natalia, ebenfalls Kellnerin in einem Restaurant in Jewpatorija bemerkt die negativen Folgen der Annexion. "Die Leute geben weniger Geld aus. Sie bestellen kaum etwas und wir bekommen weniger Trinkgeld", erzählt sie. „Viele Russen sind schockiert von den hohen Preisen. Wir sind ja selbst schockiert.“

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Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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