Zweifel an der offiziellen Darstellung des Geiseldramas
Putin kündigt Reform der Sicherheitskräfte an

Für Russlands Präsidenten Wladimir Putin ist die Schuldfrage klar. Der internationale Terrorismus habe Russland einen „totalen, brutalen und allumfassenden Krieg erklärt“, sagte Putin in einer kurzen Fernsehansprache am Samstag – sein einziger öffentlicher Auftritt nach dem Ende des Geiseldramas in Beslan.

mbr/law MOSKAU. Nach inoffiziellen Schätzungen starben bis zu 500 Menschen, doch mit seinem Mitgefühl für die Angehörigen hielt sich Putin nicht lange auf. „In der Geschichte Russlands gab es nicht wenige tragische Seiten und schwere Ereignisse“, betonte der Kremlchef. Niemand in Russland dürfe erwarten, dass das Leiden schon bald ein Ende habe. Putin gestand aber auch Fehler der eigenen Sicherheitskräfte vor Ort ein. Die drohende Gefahr sei nicht richtig erkannt worden. „In jedem Fall konnten wir nicht adäquat reagieren.“

Der Präsident kündigte eine Reform der Sicherheitskräfte an: „Wir sind verpflichtet, ein weit effektiveres Sicherheitssystem zu schaffen und unsere Strafvollzugsorgane zu Aktionen aufzufordern, die dem Niveau und dem Ausmaß der neuen Bedrohungen angemessen sind.“ Die Korruption habe Justiz und Sicherheitsdienste zerfressen, sagte Putin. In Moskau werden seit dem chaotischen Einsatz der Sicherheitskräfte bei der Geiselbefreiung die politischen Folgen der seit nunmehr fast zwei Wochen anhaltenden Terrorserie diskutiert. Dabei wird erstmals der Rücktritt engster Vertrauter Putins gefordert. So verlangte der liberale Oppositionspolitiker Wladimir Ryschkow die Entlassung des Chefs des Inlandsgeheimdienstes, Nikolaj Patruschew. Dieser trage die Verantwortung dafür, dass die Sicherheitskräfte „wieder einmal absolut hilflos waren“, sagte Ryschkow dem Handelsblatt. In Putins Präsidentschaft habe es „so viele Terroranschläge wie noch nie gegeben“.

Putin selbst ging bei seinem Kurzbesuch in Beslan dem Schmerz, der Trauer und der Wut der Angehörigen aus dem Weg. Das Staatsfernsehen zeigte seine hilflosen Gesten beim Versuch, im Krankenhaus Worte an apathisch wirkende Opfer zu richten. Bei einer Krisensitzung mit den Sicherheitsorganen der Region kam Putin kein öffentliches Wort der Kritik über die Lippen.

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