Zweifel an Geschäftsmodell
Großbanken geraten zunehmend unter Druck

Wegen der bedrohlichen Folgen eines möglichen neuen Großbanken-Kollapses für die restliche Wirtschaft denken immer mehr Staaten auch über eine Größenbeschränkung für diese Institute nach. Auch in Deutschland nimmt die Debatte über das Geschäftsmodell Großbank Fahrt auf.

DÜSSELDORF/BERN. Die Grünen begrüßten in diesem Zusammenhang einen Vorstoß der Schweiz. "Die Schweizerische Nationalbank peilt anders als die deutsche Politik wirklich einen Neuanfang an: Das brauchen wir auch", sagte der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag, Gerhard Schick, am Freitag im Gespräch mit Handelsblatt.com. "Größere Kapitalpolster sollten wir europaweit einführen", forderte der Finanzexperte. Das erhöhe die Systemstabilität insgesamt. Marktanteilsgrenzen, wie von der Schweiz erwogen, sichert zudem den Wettbewerb und bremsten das Größenwachstum der Institute. "Das ist eine richtige Antwort auf das Problem ?too big too fail?, das den Steuerzahler so teuer kommen kann", so Schick.

Mit ungewöhnlich drastischen Vorschlägen hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Donnerstag deutlich gemacht, wie sie die systemischen Risiken der Großbanken UBS und Credit Suisse begrenzen will. Gedacht ist nicht nur an größere Kapitalpolster, sondern auch an eine Aufspaltung, falls eines der beiden Institute noch einmal in eine bedrohliche Schieflage kommen sollte. Um zu verhindern, dass eine Großbank die gesamte Volkswirtschaft mit in den Abgrund reißen kann, erwägen die Eidgenossen zudem, das Wachstum der Finanzhäuser durch Marktanteilsgrenzen zu zügeln.

Die britische Finanzaufsicht FSA erwägt ebenfalls strengere Auflagen für Großbanken, deren Zusammenbruch für das Finanzsystem unverkraftbar wäre. "Womöglich brauchen wir höhere Kapitalanforderungen für unsere größten Banken", sagte FSA-Chef Adair Turner am Freitag in Tokio. Ein solcher Schritt würde die Tatsache widerspiegeln, dass einige Banken "zu groß für ein Scheitern" seien und vom Staat gerettet werden müssten. Auch der Gouverneur der britischen Notenbank, Mervyn King, mahnte einfachere Strukturen an. "Es ist wenig sinnvoll großen Banken zu erlauben, das eher traditionelle Geschäft mit Privatkunden zusammen mit riskantem Investmentbanking zu betreiben und indirekt schon vorab Staatsgarantien zu geben für den Fall, dass etwas schief geht", sagte er. Großbritanniens Finanzminister Alistair Darling sprach sich allerdings dagegen aus, die Geschäfte der Banken von vornherein zu beschränken.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann äußerte sich ebenfalls besorgt darüber, dass durch Fusionen in Folge der Finanzkrise zu große Banken entstünden. Deren möglicher Zusammenbruch könne den Kollaps eines ganzen Wirtschaftssystems auslösen, mahnte er bei einer Veranstaltung am Mittwochabend. "Die Frage der Zukunft wird sein: Wie groß darf eine Bank sein, im Verhältnis zur Wirtschaftskraft des Landes, dass sie nicht 'too big too fail' ist", sagte der Chef des größten deutschen Geldhauses laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Das Systemrisiko einer größeren Bankenpleite wie im Fall Lehman Brothers im vergangenen Jahr versucht auch US-Präsident Barack Obama in seinen Vorschlägen für eine umfassende Reform der Finanzaufsicht in den Vereinigten Staaten anzugehen. Er will der US-Notenbank Fed deutlich mehr Macht zubilligen und sieht sie als Oberaufseher über systemisch relevante Institute vor. So sollen folgenreiche Pleiten wie die der Investmentbank oder der größten US-Sparkasse Washington Mutual verhindert werden. Die Pleite von Lehman im September hatte die Turbulenzen verstärkt und wegen der globalen Verflechtungen das internationale Finanzsystem an den Rand des Kollaps gebracht.

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