Zweikampf
Machtkampf in Japan belastet Finanzmärkte

Japans Premier Naoto Kan steht ein offener Zweikampf um sein Amt bevor. Kan und der erst vor kurzem als Generalsekretär der DPJ zurückgetretene Ichiro Ozawa bekräftigten nach einem Treffen ihren Willen, gegeneinander anzutreten. Die unsichere Situation verschlimmert die Lage an den Finanzmärkten.
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TOKIO. Der Versuch, seinen Gegenkandidaten um den Chefposten der Regierungspartei DPJ, der nach der Parteitradition bei einem Sieg auch Ministerpräsident würde, noch umzustimmen, misslang gestern.

Die unsichere Situation verschlimmerte die Lage an den Finanzmärkten. Ursache sind Sorgen, Ozawa könne bei einem Sieg zur laxen Finanzpolitik zurückkehren. Dadurch wurden gestern bereits die jüngsten Bemühungen von Regierung und Notenbank eliminiert, mit geldpolitischen Maßnahmen und einem Konjunkturprogramm die Wirtschaft wieder flottzumachen.

Exportunternehmen verlieren kräftig

Der überstarke Yen, der den japanischen Exportunternehmen schwer zu schaffen macht, behauptete seine Position, der Nikkei-Index 225 sank sogar unter die psychologisch wichtige Marke von 9 000 Punkten und schrammte nur knapp an einem 16-Monats-Tief vorbei. Vor allem die Aktien exportorientierter Konzerne verloren an Wert.

Den skandalumwitterten Ichiro Ozawa scheint das nicht zu beeindrucken. „Wie ich schon zuvor erklärt hatte, habe ich mich entschlossen, mich um den Parteivorsitz zu bewerben“, sagte der Politveteran. Medienberichten zufolge waren seine Forderungen nach Personalwechseln in der Parteiführung und der Regierung abgelehnt worden. Den Demokraten, die erst im Sommer 2009 die seit 50 Jahren fast ununterbrochen regierenden Liberaldemokraten abgelöst hatten, droht damit nun die Spaltung.

Yukio Hatoyama, Ex-Ministerpräsident und Vorgänger Kans, hatte noch vergeblich zu vermitteln versucht. Hatoyama und der in der Bevölkerung äußerst unbeliebte Ozawa waren nach Spendenskandalen zurückgetreten. Gegen Ozawa wird noch ermittelt.

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