Zweite Anschlagswelle
Zwei der London-Attentäter identifiziert

Scotland Yard hat zwei der vier Männer identifiziert, die am Donnerstag erfolglos versucht hatten, in Londoner U-Bahn-Zügen und einem Bus Sprengsätze zu zünden. Premierminister Tony Blair bedauerte unterdessen die Erschießung eines unschuldigen Brasilianers, den die Polizei für einen Selbstmordattentäter gehalten hatte.

HB LONDON. Der Chef der Antiterroreinheit der Polizeibehörde, Peter Clarke, gab am Montag Nachmittag die Namen der beiden Verdächtigen bekannt. Es handele sich um Yasin Hassan Omar und Muktar Said-Ibrahim - auch Muktar Mohammed-Said genannt. Zur Herkunft der beiden machte die Polizei keine Angaben. Der 27-jährige Said-Ibrahim sei kürzlich in einer Wohnung in London gewesen, die zurzeit von Polizisten durchsucht werde. Die vier Attentäter waren nach den Fehlzündungen ihrer Sprengsätze entkommen und untergetaucht.

Clarke bestätigte außerdem, dass die Polizei in einem Londoner Park noch eine fünfte Bombe gleichen Typs gefunden habe. Alle Bomben hätten sich in durchsichtigen Plastiktonnen befunden. Clarke zeigte eine solche in Indien hergestellte Tonne während einer Pressekonferenz und bat die Bevölkerung um ihre Mithilfe. Scotland Yard veröffentlichte außerdem neue Bilder von den verhinderten Selbstmordattentätern.

Nach Informationen des BBC-Fernsehens hat die Polizeieinheit, die die Anschläge untersucht, am Montag zwei weitere Männer festgenommen. Drei waren bereits in Haft. Bei ihnen handelt es sich jedoch nicht um die Rucksackbomber. Die Polizei vermutet sie weiter in Großbritannien und befürchtet, dass sie wieder zuschlagen könnten. Scotland-Yard-Chef Sir Ian Blair sprach von einem "Wettlauf gegen die Zeit". Nach Informationen der "Times" schickte die Polizei noch mehr Scharfschützen in Zivil auf die Straße.

Premierminister Blair nahm erstmals zu der Erschießung des 27-jährigen Jean Charles de Menezes Stellung. "Wir sind alle tieftraurig über den Tod dieses unschuldigen Menschen", sagte er. Er könne die Wut der Angehörigen nur zu gut verstehen. Gleichzeitig warb er um Verständnis für die Polizei, die "zurzeit unter sehr schwierigen Umständen" arbeite.

Die Familie von Menezes will die Polizei verklagen. Sie bestritt auch, dass das britische Visum des Elektrikers abgelaufen gewesen sei. Die BBC hatte unter Berufung auf Polizeiquellen gemeldet, dies erkläre vielleicht, warum er vor der Polizei davongelaufen sei. Polizisten in zivil hatten in in einer U-Bahn mit fünf Schüssen getötet, weil sie befürchteten, dass er eine Bombe zünden wollte.

Nach einer am Montag veröffentlichten Umfrage im Auftrag der Zeitung "Daily Mirror" glauben 85 Prozent der Briten, dass die Beteiligung ihres Landes am Irakkrieg eine der Ursachen für die Terroranschläge ist. Blair bestritt dies am Montag erneut. Mit dem französischen Premierminister Dominique de Villepin vereinbarte er den Austausch von Informationen zu islamischen Hasspredigern.

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