Zweite deutsche Geisel lebt
Taliban diktieren Bedingung für Freilassung

Die zweite deutsche Geisel in Afghanistan ist nach Angaben der Taliban noch am Leben. Doch die Islamisten nennen eine neue Bedingung für die Freilassung.

HB KABUL. Nach dem Tod eines der beiden in Afghanistan entführten Deutschen bangen die Behörden um das Leben der zweiten Geisel. Der Krisenstab des Auswärtigen Amts stand nach Worten von Außenminister Frank-Walter Steinmeier in engem Kontakt mit der afghanischen Regierung, um die Freilassung des Ingenieurs zu erreichen.

Die Taliban haben unterdessen bestätigt, dass der Mann noch am Leben ist. „Ein Deutscher und vier Afghanen, über die wir berichtet hatten, dass sie getötet wurden, sind noch am Leben“, sagte Taliban-Sprecher Kari Mohammed Jusuf telefonisch der Nachrichtenagentur Reuters. Die Bundesregierung war immer davon ausgegangen, dass der Mann noch lebt - die Taliban dagegen hatten am Wochenende seinen Tod verkündet. Bedingung für die Freilassung der Geisel ist laut Taliban, dass die afghanische Regierung zehn ihrer Kämpfer freilasse.

Außenminister Steinmeier sagte, die Bundesregierung dringe „mit aller Kraft“ auf die Freilassung. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuvor versichert, man werde alles daran setzen, die Geisel freizubekommen. Den von einem Taliban-Sprecher verlangten Rückzug der Bundeswehr lehnte sie weiter strikt mit dem Hinweis ab, die Bundesregierung sei nicht erpressbar.

Die Umstände des Todes des aus Mecklenburg-Vorpommern stammenden Rüdiger D. blieben indes weiter unklar. Der Leichnam des 43-Jährigen wurde zur Obduktion nach Deutschland geflogen werden. Steinmeier sagte: „Wir wollen Gewissheit über die Todesursache haben.“ Zunächst hatte es so ausgesehen, als sei der Mann den Strapazen der Geiselhaft erlegen. Später berichtete das Auswärtige Amt, dass die Leiche Schussverletzungen aufweise.

Rüdiger D. und sein Kollege Rudolf B. waren am Mittwoch etwa 100 Kilometer südwestlich von Kabul verschleppt worden. Sie wurden womöglich Opfer einer Stammesfehde. Ziel der Entführung war Medienberichten zufolge eigentlich der wohlhabende Geschäftsmann Eshak Nursai, den sie zu einem Bauprojekt begleitet hätten. Nursai sei wieder in Freiheit und habe ausgesagt, dass Rüdiger D. zu Beginn der Entführung bei einem Marsch in die Berge zusammengebrochen sei. Kurz darauf hätten die Geiselnehmer auf die am Boden liegende Geisel geschossen. Offen blieb, ob D. schon tot war oder durch die Schüsse starb.

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