Zweite Etappe
Ägypter strömen zur zweiten Etappe der Marathonwahl

Millionen Ägypter haben in der zweiten Etappe der Parlamentswahl für ihre Kandidaten gestimmt. Die Abgeordneten sollen die neue Verfassung erarbeiten und damit den künftigen Kurs des Landes bestimmen. Als Sieger gelten schon jetzt die Islamisten.
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KairoDie ersten freien Parlamentswahlen in Ägypten locken auch in der zweiten Phase Millionen Stimmberechtigte an die Urnen. Zehn Monate nach dem Sturz von Langzeitpräsident Husni Mubarak nutzten am Mittwoch Menschen in Giza, Assuan und sieben weiteren Provinzen die Möglichkeit, mit ihrer Stimme den künftigen Kurs des Landes mitzubestimmen. Dabei wurden eine Reihe von Rechtsverstößen gemeldet. Wahlsieger dürften wie schon im ersten Wahlgang die Islamisten sein.

Die Muslimbruderschaft war zum Auftakt der Wahl Ende November die mit Abstand stärkste Kraft geworden. Zusammen mit der radikaleren salafistischen Partei des Lichts (Nur-Partei) kam die noch unter Mubarak verbotene Organisation auf mehr als 60 Prozent der Stimmen in Kairo und acht weiteren Provinzen. Die Ägyptische Allianz aus linken und liberalen Parteien bekam nur 13 Prozent und landete auf dem dritten Platz. Das endgültige Wahlergebnis soll erst am 13. Januar verkündet werden, nach dem Ende des dritten Wahlgangs.

Mehr als 18 Millionen Menschen sind diesmal aufgerufen, ihre Stimme noch bis Donnerstagabend abzugeben. Sie wählen sowohl Direktkandidaten als auch Parteilisten und sollen 180 von insgesamt 498 Mandaten vergeben. Viele Gebiete, in denen in der zweiten Etappe gewählt wird, gelten als Hochburgen der Islamisten.

Wie schon bei der ersten Teilwahl bildeten sich wieder lange Schlangen vor den Wahllokalen. In etlichen Bezirken öffneten Wahllokale allerdings nicht pünktlich. Nach Angaben der staatlichen Medien konnte wie beim ersten Wahlgang in zahlreichen Bezirken die Abstimmung wegen „verwaltungstechnischer“ Probleme nicht pünktlich beginnen oder weil die Richter, die dort Aufsicht führen sollten, zu spät kamen.

In der an Kairo grenzenden Region Giza musste ein Wahllokal nach gewaltsamen Zusammenstößen von Anhängern verschiedener Kandidaten geschlossen werden. Nach Angaben von Wahlhelfern gerieten mehrere Bewaffnete aneinander. Daraufhin griffen Militär und Sicherheitskräfte ein. Erkenntnisse über Verletzte gab es zunächst nicht.

In jeweils einem Bezirk der Provinzen Manufija, Al-Buhaira und Sohag wurde die Wahl der Listenkandidaten wegen Unregelmäßigkeiten abgesagt. Die Abstimmung soll dort nach Angaben der Wahlkommission eine Woche später stattfinden. Vertreter mehrerer Parteien beschwerten sich, weil Anhänger von Mitbewerbern Flugblätter verteilten und Wahlplakate aufhängten. Werbung für die Kandidaten ist am Wahltag verboten.

Der Sicherheitsdirektor der Provinz Suez sagte dem Nachrichtenportal „Al-Ahram“, wer dagegen verstoße, müsse mit einer Anzeige rechnen und werde festgenommen. Die dritte und letzte Etappe der Marathonwahl beginnt am 3. Januar. Das künftige Parlament soll die neue Verfassung Ägyptens ausarbeiten. Bis Ende Juni ist die Wahl des neuen Präsidenten geplant. Dann - so ist es zumindest vorgesehen - soll der regierende Militärrat die Macht abgeben.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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