"Zweite Phase hat begonnen"
Sadr droht mit verstärktem Widerstand

Der irakische Schiitenführer Moktada el Sadr reagiert auf die jüngsten Schläge der US-Armee und ruft seine bewaffneten Anhänger auf, den Kampf gegen die Besatzungstruppen im Irak auszuweiten.

HB NADSCHAF. „Wir haben jetzt eine zweite Phase des Widerstand begonnen, und unsere Geduld mit den Besatzungstruppen ist zu Ende“, sagte Sadrs wichtigster Berater Kais el Chasali am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Die US-Armee signalisierte ihrerseits ein Auslaufen ihrer Geduld mit den Aufständischen und schloss Vorstöße auch auf den Schiiten heilige Stätten nicht mehr aus. Bei Gefechten in Bagdad töteten US-Soldaten nach Angaben der Streitkräfte über Nacht 35 Sadr-Kämpfer.

El Sadr gilt auch unter den irakischen Schiiten, die aus Sicht der USA nach Jahrzehnten der Unterdrückung unter Saddam Hussein zu den natürlichen Verbündeten zählen, als Hitzkopf. Sein seit Anfang April andauernder Aufstand hat inzwischen das gesamte schiitische Siedlungsgebiet südlich von Bagdad erfasst.

Sadrs Berater kündigte eine Ausweitung des Aufstands auf den ganzen Irak an. Dies sei eine Reaktion darauf, dass die Besatzer ihr Vorgehen verschärft hätten und in den heiligen Städten Kerbela und Nadschaf zu weit gegangen seien, sagte Chasali und drohte: „Es wird Vulkanausbrüche geben.“

Trotz einiger Anzeichen für eine Verbrüderung der schiitischen Aufständischen mit sunnitischen Rebellen im Norden und Westen des Landes ist derzeit unklar, ob dies zu einem gemeinsamen Vorgehen der beiden einander zutiefst misstrauenden Gruppen führen wird.

Die US-Armee tue alles, um die heiligen Stätten in den Schiiten-Städten nicht anzugreifen, sagte der für den Irak- Einsatz verantwortliche US-General John Abizaid. „Wir werden geduldig sein, aber unsere Geduld wird nicht ewig dauern. Unsere Geduld mit Sadr hat Grenzen“, sagte er bei einem Besuch in Bahrain. Sadr soll sich in Nadschaf auf das Gebiet eines der größten Heiligtümer der Schiiten zurückgezogen haben.

Die Armee habe Fortschritte bei der Niederschlagung des Aufstandes gemacht, und hoffe nun auf einen „irakischen Weg, Sadr zur Rechenschaft zu ziehen“, sagte Abizaid weiter. „Wir warten auf die Gelegenheit, dass die Iraker das Problem lösen, damit die kulturellen Stätten und historischen Orte verschont und zivile Opfer vermieden werden.“

In Bagdad setzte die Armee unterdessen ihre Einsätze gegen Büros des Klerikers fort. Nach der Zerstörung einer Anlaufstelle im schiitischen Armenviertel Sadr City lieferten sich Sadrs Anhänger in den Straßen und Gassen heftige Gefechte mit den US-Soldaten. Kommandeure von El Sadrs Mehdi-Miliz nannten die Zahl von 35 Getöteten übertrieben. Bei einem Einsatz am Vortag sollen US-Angaben zufolge 19 Milizkämpfer getötet worden sein. Auch in Kerbela rollte am Montag erneut eine gepanzerte US-Kolonne mitten in die Stadt.

Die von den USA geführten Besatzungstruppen haben ihre Angriffe gegen Sadr und dessen Anhänger in den vergangenen Tagen intensiviert. Die Abriegelung Nadschafs wurde verstärkt. Auch in Kerbela, Diwanija und Amara wurden Büros von Sadrs Bewegung zerstört.

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