Zweite TV-Debatte der US-Republikaner
Die Kalten Krieger sind auf dem Vormarsch

Die Republikaner beweisen in ihrer zweiten TV-Debatte, dass der stramm rechte Kurs der Falken bei den Wählern wieder salonfähig geworden ist. Die Attacken gegen Präsident Obama zeigen erste Erfolge.
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New YorkDie Ausgangslage der zweiten republikanischen TV-Debatte, ausgetragen in der Lobby der Präsidentenbibliothek von Ronald Reagan, ist schnell erzählt. Elf Kontrahenten, ein Ziel vor Augen: Reagans Erbe anzutreten. Vorne die Diskutanten an ihren durchsichtigen Podien, hinten glänzender Chrom, die Air Force One des großen Kalten Kriegers.

Konservative Amerikaner haben Reagan zu ihrem Säulenheiligen erhoben. Kein Präsidentschaftsanwärter kann sich heute um die Nominierung der republikanischen Partei bemühen, ohne ihm zu huldigen. Die Kandidaten haben das Spiel mit der Verklärung perfektioniert. Sie bewerben sich nicht als Politiker, sie bewerben sich als Jünger.

Einer aber spielt nicht mit, einer huldigt nur sich selbst: Donald Trump. „Ich bin derjenige, der „The Art of the Deal“ geschrieben hat“, so stellt er sich am Mittwochabend vor, als sei sein fast 30 Jahre altes Buch über Geschäftsabschlüsse eine heilige Schrift.

Die Debatte läuft keine fünf Minuten, da brodelt es schon. Trump tut das, was er am besten kann und was ihn zur einsamen Nummer eins in den Umfragen gemacht hat: Er attackiert. Rand Paul, der ganz rechts außen steht, dürfe eigentlich gar nicht hier sein, behauptet Trump beiläufig, die Umfragewerte des Senators seien zu schlecht. Damit ist die Redeschlacht eröffnet und die Fronten klar. Trump gegen alle, alle gegen Trump.

Paul wehrt sich, wirft Trump vor, andere Kandidaten wie ein Schulkind wegen ihres Aussehens zu kritisieren. Trump feuert zurück: „Ich habe ihn nie wegen seines Erscheinungsbilds attackiert. Und glauben Sie mir, es gäbe da einiges zu sagen.“ Was als Rechtfertigung beginnt, endet als Beleidigung – und damit als Bestätigung von Pauls Vorwurf. Typisch Trump.

Nicht der Atomdeal mit Iran, nicht die wachsende soziale Ungleichheit oder der schwindende Glaube an den amerikanischen Traum ist also das erste große Thema der Debatte, Äußerlichkeiten sind es. Das sagt viel über das Niveau und den besonderen Reiz der republikanischen Vorwahlen.

Schon die erste Debatte war ein Quotenhit, 24 Millionen Zuschauer schalteten ein, natürlich nicht weil sie alle der republikanischen Ideologie anhingen, sondern weil der Debattierclub der Konservativen ein Fernsehevent geworden ist. Must Watch TV, nennen die Amerikaner das.

Der Mann, dem die Republikaner diese Aufmerksamkeit verdanken, ist Donald Trump, im Guten wie im Schlechten. Zuletzt hatte er sich die einzige Frau konservativem Kandidatenfeld vorgeknöpft, Carly Fiorina, die frühere Chefin des IT-Konzerns Hewlett Packard. „Guck dir dieses Gesicht an“, soll er in einem Interview gelästert haben. „Wie soll man sich vorstellen, dass dieses Gesicht das Gesicht unserer Präsidentin wird?“

Fiorina nutzt die Publicity, die Dank Trumps Pöbeleien auf sie abfällt: Sie ist die Aufsteigerin des Abends. Für die erste große Debatte war sie nicht zugelassen gewesen, sie wurde ins Vorprogramm verbannt. Doch ihre Kampagne hat Tritt gefasst, wegen ihrer ansteigenden Zustimmungswerte durfte sie nun ihre Premiere im Primetime-Programm feiern. Und sie zeigte, dass sie gekommen ist, um zu bleiben. Es war Fiorina, die nach ein paar Spitzen gegen Trump die Debatte zurück in konventionelle Bahnen lenkte.

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  • Ich habe Ausschnitte der Debatte in CNN gesehen (bis es mir schlecht wurde). Die Sprüche von diesen sog. Kandidaten sind so dumm wie die Nacht finster! Einer, der Neurochirug (Carson glaube ich, heißt er) antwortete auf die Frage, ob eine "flat tax" von 10% für einen Milliadär nicht ungerecht sei gegenüber einem Mittelklasse-Verdiener. Die Antwort war, daß der Milliadär natürlich die gesparten Steuern dazu verwenden würde, noch mehr Milliarden zu machen, um noch mehr dem Fiskus abführen zu können (sinngemäß). Solch dummes Zeug spricht nicht nur für den niedrigen Intelligenzgrad der Teilnehmer, lässt aber auch Schlüsse zu über das geistige Niveau der fragenden Journalisten, der Zuschauer im Saale, der Zuschauer an den Fernsehern in den US, des amerikanischen Volkes überhaupt. Wenn das die westliche Führungsmacht ist, dann Gutnacht!

  • Warum nicht Trump ? Der weiß immerhin wie man(n) Geld macht. Und darauf kommt es schließlich im Leben an. So jemanden an der Spitze zu haben, heißt siegen lernen.

  • Egal, wer Präsident nach Obama wird, wir sollten auf der Hut sein. Leider hat Fr. Merkel offenbar den folgendenSpruch aus Ihrer DDR-Erziehung umgemünzt: Siegen heißt, von den USA lernen. Seit 50 Jahren legt die US-Außenpolitik Brände:
    1. Vietnam; 2. Chile; 3. Griechenland; 4 Iran; 5. Afghanistan; 6; Irak; 7. Libyen; 8. Ukraine. Bis jetzt hat die US-Diplomatie immer versagt. Die Welt hat sich geändert.:
    Rußland keine Weltmacht in den Augen der US-Diplomaten; China der große künftige Rivale! Gekonnt, die primitive Einteilung der Welt in die "Guten" und in die "Achsen des Bösen". Für uns sollte Rußland zumindest Gesprächspartner sein und das hat Gründe: Rußland ist immer in die eurpäischen Geschichte als Machtfaktor von Bedeutung gewesen. Auch wichtig: Die politisch-kulturelle Entwicklung ist in Rußland in anderen Bahnen verlaufen als in Mitteleuropa. Rußland wurde letztlich immer "autokratisch" regiert vom Zar, dem Zentralkommitee der KPdSU und jetzt von Putin. Allein weil Rußland eine eurpäische Macht ist, sollte gerade Deutschland, auf Bismarck sei hier hingewiesen, den Gesprächsfaden nicht abreisen lassen, denn die USA sind per se keine europäische Macht. Dass die Bundesregierung im Alleingang gegen die von Paranoia bestimmte Weltsicht der US-Amerikaner nichts ausrichten wird, ergibt sich daraus, dass das Truppenstatut von 1955 immer noch gilt und die BRD de facto ein von den USA besetztes Land ist. Daran wird auch ein möglicher Präsident/In aus den Reihen der Demokraten nichts ändern. Wenigstens sollte TTIP gekippt werden.

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