Zweite Wahlrunde wahrscheinlich
Experten erwarten knappen Wahlausgang in Ungarn

Bei der ersten Runde der Parlamentswahl in Ungarn hat sich am Sonntag eine hohe Wahlbeteiligung abgezeichnet.

HB BUDAPEST. Bei Sonnenschein hatten schon sechs Stunden vor Schließung der Wahllokale um 19.00 Uhr MESZ 38 Prozent der rund acht Millionen Wahlberechtigten abgestimmt. Experten zufolge dürfte dies den regierenden Sozialisten zu Gute kommen. Ein endgültiges Ergebnis der Wahl wird aber erst nach einer zweiten Wahlrunde am 23. April erwartet. In den einzelnen Wahlkreisen wird eine solche notwendig, wenn keiner der Kandidaten beim Urnengang am Sonntag mindestens 50 Prozent der Stimmen erreicht. Es wird vor allem darauf ankommen, wie viele kleinere Parteien die Fünf-Prozent-Hürde überwinden und damit den großen Blöcken Abgeordnetensitze wegnehmen.

Erste Ergebnisse vom Sonntag wurden bis 20 Uhr erwartet. Eine Stunde später dürften bereits 95 Prozent der Stimmen ausgezählt sein. In der vergangenen Woche war die Veröffentlichung neuer Umfragen nicht erlaubt. Zuvor hatten die Sozialisten zusammen mit ihren liberalen Verbündeten knapp vorne gelegen.

Die Regierung des Sozialisten Ferenc Gyurcsany will das Land für die Globalisierung öffnen. Die rechte Opposition unter Viktor Orban von der Partei Fidesz wirbt dagegen für eine an nationalen Interessen orientierte Wirtschaftspolitik. Sie will unter anderem den gerade erst privatisierten Budapester Flughafen wieder verstaatlichen.

Die Ungarn wählten zum ersten Mal seit dem Beitritt ihres Landes zur Europäischen Union (EU). Analysten zufolge droht dem Land eine Währungskrise, wenn nicht entschieden gegen die hohen Defizite in Haushalt und Leistungsbilanz vorgegangen wird. Ein Sieg Gyurcsanys würde in Ungarn zum ersten Mal seit dem Sturz des Kommunismus eine Regierung im Amt bestätigen.

Orban hat Gyurcsany und seine Partei als Erben der einst allmächtigen Kommunisten und als Luxus-Sozialisten dargestellt, die sich nur um die Belange der Reichen kümmern. Er hat hohe Investitionen versprochen. Experten zufolge wird aber der Wahlsieger die Ausgaben deutlich kürzen müssen, denn Ungarn hat trotz eines kräftigen Wirtschaftswachstums im Verhältnis zur Größe seiner Volkswirtschaft das höchste Defizit in der EU. Damit hat es keine Chance mehr darauf, noch in diesem Jahrzehnt den Euro einzuführen.

16 Jahre nach den ersten freien, postkommunistischen Wahlen spielt die kommunistische Ära immer noch eine große Rolle. „Ich wurde zur gleichen Zeit geboren wie die kommunistische Diktatur, 1947. Und ich habe diese Leute satt“, sagte ein Anhänger von Orbans Partei Fidesz, die aus einer früheren Dissidentenbewegung hervorging. Doch Umfragen zeigten auch, dass sein Stil und die von vielen Linken als nationalistisch bewertete Fidesz-Rhetorik Orban in Großstädten viele Stimmen kosten. „Sein arroganter Stil spaltet die Nation. Und ich bin wegen seiner mangelnden Verpflichtung zur Demokratie besorgt“, sagte ein 28-jähriger Ingenieur in Budapest.

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