Zwischen Größenwahn und kaltem Kalkül
Portrait: Saddam Hussein

Der gestürzte irakische Diktator Saddam Hussein hat sich in den mehr als zwei Jahrzehnten seiner Herrschaft den Ruf eines rücksichtslosen Gewaltmenschen erworben, der keine Freunde hat. Beobachter attestierten ihm einen Hang zum Größenwahn und den brennenden Wunsch, als bedeutender Führer in die Geschichte einzugehen.

HB BAGDAD/KAIRO. Sein übergroßes Ego und das, was er für seine „Ehre“ hielt, war ihm dabei wichtiger als das Wohlergehen seiner Landsleute, die er mit öffentlich zur Schau gestellter Grausamkeit in Schach hielt. Nach seinem Verschwinden im April 2003 wurde er für einige seiner Anhänger zu einer Art mystischer Figur. Andere ehemalige Getreue warfen ihm dagegen Feigheit und Verrat vor.

Saddam Hussein hat sein Land kaum verlassen und lebte in den letzten Jahren seiner Macht in einer Art Scheinwelt. Er umgab sich mit unterwürfigen Militärs und Politikern, die auch nicht die geringste Kritik an seinem brutalen Führungsstil wagten. Denn wer dem Despoten eine schlechte Nachricht überbrachte, riskierte sein Leben. Aus Angst vor Attentaten legte sich Saddam Hussein im Laufe seiner Amtszeit Doppelgänger zu, die ihn bei öffentlichen Auftritten vertreten mussten.

Der Personenkult nahm immer groteskere Züge an. Sein idealisiertes Porträt durfte vor keinem öffentlichen Gebäude fehlen. Staatskünstler sorgten für einen ständigen Nachschub an Saddam-Büsten, Statuen und Lobliedern. Die Menschen im Irak zitterten so sehr vor ihrem „Führer“ und hatten den staatlich verordneten Saddam-Kult so verinnerlicht, dass sie zum Teil sogar dann vor seinem Bild salutierten, wenn sie sich unbeobachtet glaubten. „Papa Saddam sieht alles“, wurde den Kindern schon in der Schule beigebracht.

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