Zwischen Orient und Okzident
Der Sultan macht alles selbst

Vor 36 Jahren stieß Sultan Qabus bin Said seinen Vater unsanft vom Thron. Seitdem investiert der omanische Staatschef gezielt in Infrastruktur, Bildung und Gesundheitswesen. Doch trotz einer florierenden Wirtschaft hat der Golfstaat Probleme mit der Arbeitslosigkeit.

MASKAT. Sultan Qabus bin Said ist ein Ästhet. Er verabscheut Bausünden und Schmutz. Deshalb müssen Autos regelmäßig gewaschen werden. Wer sich nicht daran hält, bekommt ein Knöllchen. Deshalb ist Maskat so sauber wie Singapur. Und deshalb dürfen Häuser nur halbhoch gebaut und nur in zwei Farben gestrichen werden: weiß oder erdfarben. Was ein der Landschaft angepasstes Erscheinungsbild bedeutet, hat der Sultan in Bayern gelernt. In Garmisch erwarb er während seiner Ausbildung zum Gebirgsjäger ein Hotel. Nach seinem Geschmack umbauen durfte er es aber nicht, beschied ihm der Gemeinderat. Holzbalkone und Geranien mussten bleiben wie sie sind.

Maskat strahlt Harmonie aus, eine Gartenstadt voller Blumen und Grünflächen. Sie begrüßt ihre Besucher mit Symbolen arabischer Kultur auf den großen Verkehrsinseln. Mit Uhrenturm und Kuppelbauten, mit Koran und Krummdolch, mit Tonkrügen und Harfe. Harfe? Auch damit hat es seine Bewandtnis. Der Sultan ist wohl der einzige Herrscher, der sich ein privates Symphonieorchester leistet. Die Harfe weist den Weg zum Dorf der Musiker. „Das ist das letzte Hoforchester der Welt“, sagt ein westlicher Diplomat. „Und der Sultan bestimmt den Spielplan.“

Kein Zweifel, Sultan Qabus gibt in Oman den Ton an. Und das seit 36 Jahren. Nach Oberst Gaddafi in Libyen ist er der am längsten regierende Staatschef der arabischen Welt. 1970 stieß der Absolvent der britischen Sandhurst-Akademie seinen Vater Said bin Taimur mit britischer und iranischer Hilfe unsanft vom Thron. Oman war ein fremdenfeindliches Land, abgeriegelt, despotisch regiert und zurückgeblieben. Die einzige Asphaltstraße führte vom Palast zum Regierungssitz. Drei Grundschulen und ein Hospital gab es. Radio, Brillen und Bücher waren verboten. Eine archaische Gesellschaft, aber mit reichlich Ölvorkommen gesegnet.

Dank britischer Hilfe machte sich der Sultan an die Symbiose von islamischer Tradition und moderner Wirtschaft. Während der Vater die Petrodollars unter dem Bett hortete, investierte der Sohn in Infrastruktur und Bildung, in Gesundheitswesen und neue Industriezweige. Geschickt schuf der Sultan ein fein gesponnenes Netzwerk von Interessen. Er versöhnte die abtrünnigen Stämme, die zwölf Jahre lang im Dhofar-Konflikt die Macht zu erringen suchten. Und er ließ die Bevölkerung am Wohlstand teilhaben.

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